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Hypo Real Estate: Hochflug, Sturzflug
![]() Wer hoch aufsteigt, kann tief fallen. Dieses Sprichwort scheint auch im Fall der Hypo Real Estate (HRE) zuzutreffen. Gegründet im Jahre 2003, Aufnahme in den DAX nur zwei Jahre später – der Aufstieg der Bank war steil, sehr steil. Doch noch schneller ging es wieder bergab. Nach Bekanntwerden der Schieflage der Bank im Herbst 2008 brach ihr Aktienkurs dramatisch ein. Zu Beginn der Krise handelte der Vorstand derart intransparent, dass es beinahe zum Zusammenbruch der Bank, mit unabsehbaren Folgen für nationale und internationale Finanzmärkte, gekommen wäre.
Doch der Reihe nach: Am Sonntag, 28. September 2008, wird bekannt, dass der HRE die Insolvenz droht. Bereits einen Tag später einigt sich die Bundesregierung mit einem Konsortium der wichtigsten deutschen Banken auf eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 35 Milliarden Euro. Die schnelle Einigung war nötig, um das Vertrauen der Anleger in die Aktie der HRE nicht vollkommen zu erschüttern und das Fortbestehen der Bank zu sichern. Auch über eine Aufteilung der Lasten wird man sich einig. Die Gesamtsumme von 35 Milliarden Euro wird in zwei Teile, nämlich in 14 Milliarden und 21 Milliarden Euro aufgeteilt. Sollte es zu einem Totalausfall der Kredite kommen, würde das Konsortium der Privatbanken 60 Prozent der ersten Tranche übernehmen, die Bundesregierung 40 Prozent, berichtet tagesschau.de. Sollten auch die weiteren 21 Milliarden Euro unwiederbringlich verloren gehen, so würde dafür die Bundesregierung alleine mit Steuergeldern gerade stehen. Für die Steuerzahler stehen also 26,6 Milliarden Euro auf dem Spiel. Wie gewaltig diese Summe ist, zeigt ein Vergleich mit dem Bundeshaushalt 2009. Darin ist das Verkehrsressort mit einem Volumen von circa 25,6 Milliarden Euro das viertgrößte. Angesichts dieser Dimensionen überwog die Hoffnung, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne. Doch nur wenige Tage später, am Samstag den 4. Oktober wird bekannt, dass die Schieflage der HRE noch viel dramatischer ist. Gab die Geschäftsführung der HRE unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Georg Funke am Wochenende zuvor noch an, dass der Finanzierungsbedarf ihrer Bank bei 35 Milliarden Euro läge, so stellten die Prüfer beim Sichten der HRE-Bücher ein weiteres Finanzloch in Höhe von 15 Milliarden Euro fest. Aus der Presse erfährt die Bundesregierung daraufhin, dass das Konsortium der Privatbanken sein Angebot aus der Vorwoche, der HRE finanziell unter die Arme zu greifen, zurückzieht. Auf Grund der erneut ungewissen Situation der HRE und der insgesamt nervösen Stimmung im Land entschließt sich die Bundesregierung zu einem in ihrer Geschichte einmaligen Schritt. Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündet zusammen mit Finanzminister Peer Steinbrück eine allgemeine Staatsgarantie für sämtliche private Spareinlagen in Deutschland. Die Bundesregierung sieht sich zu diesem Schritt veranlasst, um die privaten Sparer zu beruhigen, um dem schlimmsten aller Fälle vorzubeugen – einem Run auf die Geldhäuser der Nation. Doch neben dem Bürger im Kleinen gilt es auch der Bank im Großen zu helfen. Wissend, dass ein Zusammenbruch der HRE eine Erschütterungsdynamik mit unabsehbaren Folgen für das nationale sowie internationale Finanzsystem haben würde, versucht die Bundesregierung erneut eine Rettung der Bank zu initiieren. Auf Drängen des Finanzministeriums stoßen im Laufe des Sonntags die Geschäftsführer der Privatbanken zu dem Krisentreffen in Berlin hinzu. Es gilt, eine tragfähige Lösung des Problems zu finden, bevor die Börsen in Fern-Ost öffnen, und damit ein Verfall des Aktienkurses der HRE nicht mehr aufzuhalten wäre. Schließlich einigt man sich in den späten Abendstunden auf eine neue Bürgschaft, die nun 50 Milliarden Euro umfasst.
Noch während der Verhandlungen tritt Bundesfinanzminister Steinbrück vor die Presse. Er spricht zum einen davon, dass es noch verfrüht sei, von einem Durchbruch zu sprechen, auf der anderen Seite betont er aber, dass man auf einem guten Weg sei, eine Lösung zu finden. Neben diesen Aussagen zum Stand des Rettungsplanes äußert sich Steinbrück auch zu den verantwortlichen Personen: „Ich habe keinen Grund dieses Bankenmanagement in irgendeiner Form zu schonen.“ Und weiter: „Ich mache aus dem Entsetzen der Bundesregierung keinen Hehl, dass fünfeinhalb Tage nach der letzten Lösung das Management dieser Bank zugeben und offen legen musste, dass es einen weiteren Liquiditätsbedarf in Milliardenhöhe hat. Wir fühlen uns falsch informiert.“ Einen Tag später, am Montag, den 6. Oktober, wird Steinbrück noch deutlicher: „Ich halte es für undenkbar, dass mit dem jetzigen Management weiter zusammengearbeitet wird.“ Auch in anderen Parteien bricht ein Sturm der Entrüstung über die falschen Informationen des Bankenmanagements aus. Der Finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Otto Bernhardt, fordert in „Bild" den Rücktritt Funkes: „Wer 35 Milliarden Euro sagt, und dann sind es 50 Milliarden Euro – der ist kein kompetenter Gesprächspartner mehr. Es ist an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen.“ Auch Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn fordert laut Rheinische Post einen Wechsel an der Bankspitze: „Die HRE hat offenbar nicht alle Fakten zum tatsächlichen Ausmaß der Krise auf den Tisch gelegt. Das Vertrauen in Vorstandschef Funke ist zerstört.“ Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich, wie Reuters berichtet: „Wir sagen, dass diejenigen, die unverantwortliche Geschäfte gemacht haben, zur Verantwortung gezogen werden. Dafür wird die Bundesregierung sorgen." Die HRE war aufgrund ihres Geschäftsmodells durch die Finanzkrise besonders belastet. Viele Beobachter sind sich jedoch einig, dass gerade die intransparente Informationspolitik des Vorstands in den dramatischen Tagen Ende September und Anfang Oktober 2008 der Bank großen, vermeidbaren Schaden zugefügt hat. Die handelnden Personen mussten wegen dieser Fehler gehen. Am 7. Oktober kam es zum Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Georg Funke, drei Tage später folgte der des Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz. Am 22. Dezember 2008 wurde das Unternehmen auf Grund eines zu geringen Börsenwertes aus dem DAX genommen. Jonathan Pfenning erstellt: 31.03.2009; geändert: 31.03.2009 Intransparenz kostet nicht selten den Job ![]() Transparenz gilt heute mehr denn je als notwendige Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens. Transparenz schafft Vertrauen, Vertrauen fördert Reputation und diese wiederum steigert den Wert eines Unternehmens. Trotz dieser Kausalkette kommt es immer wieder zu Fällen von erheblicher Intransparenz. Die Gründe dafür sind sicherlich stets unterschiedlich. Die Folgen für die verantwortlichen Manager sind oft ähnlich. Nicht selten bekommen Führungskräfte nach Transparenzfehlern den Stuhl vor die Tür gesetzt.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Fall der Hypo Real Estate. Im September drohte der Bank die Insolvenz. Sie brauchte dringend Kapital. Das Bankenmanagement unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Georg Funke sprach von einem Finanzierungsbedarf von 35 Milliarden Euro. Binnen wenigen Stunden organisierte die Bundesregierung und andere Banken ein Rettungspaket. Doch nur wenige Tage später wurde bekannt, dass der Bank nicht 35 Milliarden Euro, sondern 50 Milliarden Euro fehlten, wie die Tagesschau berichtete. Die Verunsicherung war riesig. Das Vertrauen in das Krisenmanagement der Vorstände über Nacht dahin. Wie nur konnten die Spitzenmanager mit derart falschen Informationen in die Verhandlungen mit der Bundesregierung gehen? Viele unterstellten Funke und den anderen Verantwortlichen, dass ihnen das volle Ausmaß der Schieflage bekannt gewesen sein muss. Anstatt aber transparent zu handeln und die Karten offen auf den Tisch zu legen, bedurfte es der Prüfer der Deutschen Bank, die in den Büchern der HRE die weitere Finanzierungslücke von 15 Milliarden Euro aufdeckten. Vielen Führungskräften fehlt jegliche Vorstellung, welche Auswirkungen instransparente Unternehmensführung für ihre Karriere haben kann. Und deshalb versuchen sie es zunächst reflexartig mit verstecken, verharmlosen, vertuschen. Eine Konsequenz für Funke war sein von der Politik erzwungener Rücktritt. Ferner gab es eine Strafanzeige durch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wegen Rechtsverstoßes. Als Verdachtsmomente wurden unter anderem ein Verstoß gegen das Verbot der Marktmanipulation, Betrugsverdacht sowie mögliche fehlerhafte Kapitalmarktinformationen aufgeführt. Zudem prüft die Finanzmarktaufsicht BaFin laut FAZ.NET Hinweise auf Gesetzesverstöße, nachdem ihr von der Staatsanwaltschaft München die Verdachtsanzeige eines Marktteilnehmers weitergeleitet wurde. Geprüft werden Vorwürfe wie Marktmanipulation und Insiderhandel sowie ein Verstoß gegen die Richtlinien zur Ad-hoc-Publizität. Eine von der HRE eingesetzte Anwaltskanzlei prüft, ob etwaige Pflichtverletzungen gegen den Ex-Vorstand vorliegen. Sollte sich dies bestätigen, so drohen Funke zum einen strafrechtliche Konsequenzen. Zum anderen hätte dies Auswirkungen auf die Ausbezahlung seiner Bezüge. Er könnte sein Ruhegehalt von 560.000 Euro pro Jahr nur dann sofort beziehen, wenn sein Vertrag ohne eigenes Verschulden vorzeitig aufgelöst worden wäre, so Financial Times Deutschland. Andernfalls müsste er bis zur Vollendung des 60. Lebensjahrs warten. Jonathan Pfenning erstellt: 30.03.2009; geändert: 24.02.2010 |
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