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C&A: Transparenz in der Lieferkette

8 Mrz 2012

C&A hat sich seit Mitte der 1990er Jahre zu einem transparenteren Unternehmen entwickelt. 1996 wurde ein Code of Conduct (Verhaltenskodex) für den Umgang mit Lieferanten entwickelt. Unter dem Generalprinzip des „fairen und ehrlichen Handelns“ werden dort unter anderem Lieferantenbeziehungen, Arbeitsbedingungen und Umweltaspekte geregelt.

C&A

Und da der beste Kodex wirkungslos ist, sofern seine Einhaltung nicht überwacht wird, wurde zeitnah eine Audit-Gesellschaft gegründet, um eben diese Kontrolle zu gewährleisten.

SOCAM kontrolliert Produktionsstätten
Diese Service Organisation for Compliance Audit Management (SOCAM) operiert unabhängig von C&A und kontrolliert jährlich rund 2.000 Produktionsstätten von C&A-Lieferanten. Um ein realistisches Bild zu bekommen, erfolgen ihre Besuche meist unangemeldet. Die Mitarbeiter der SOCAM sind geschult, verfügen über entsprechendes Know-how der Produktionsbedingungen in der Textilherstellung und haben oft einen Bezug zum jeweiligen Produktionsland. Bei ihren Kontrollen helfen den Auditoren Checklisten und Gespräche mit den Mitarbeitern dabei, Verstöße gegen den Verhaltenskodex festzustellen.

Nur noch selten schwere Verstöße
Sollten Verstöße festgestellt werden, welche nicht sofort behoben werden können, hat der Lieferant die Möglichkeit, einen Korrekturplan auszuarbeiten. Dessen Umsetzung wird ebenfalls durch die SOCAM kontrolliert. Schwerwiegende Verstöße gegen den Verhaltenskodex kommen nur noch vereinzelt vor. Laut CSR-Report 2010 ist dies auf die klare Linie von C&A gegen Kinderarbeit sowie auf die regelmäßigen Kontrollen der SOCAM zurückzuführen. Falls doch einmal Kinder bei einem Lieferanten arbeiten sollten und dies durch die SOCAM aufgedeckt wird, sucht man zusammen mit dem Lieferanten nach einer Lösung. Meist finanziert dann der Lieferant in Absprache mit den Eltern eine Ausbildung für das Kind. Sollte mit dem Lieferanten keine Lösung gefunden werden können, hat C&A keine andere Möglichkeit, als die Geschäftsbeziehungen umgehend zu beenden. Dieser Schritt ist jedoch nur in wenigen Fällen notwendig.

Intransparenter Umgang mit den Audit-Ergebnissen sorgt für Kritik

Seit Gründung der SOCAM haben sich die Arbeits- und Produktionsbedingungen in vielen Betrieben deutlich verbessert. Sagt SOCAM. Doch überprüfbar ist dies letztlich nicht, denn die Audit-Organisation gibt nur Berichte über schwerwiegende Verstöße gegen den Verhaltenskodex an C&A weiter. Bei den leichteren Verstößen bleibt selbst der Auftraggeber außen vor. Hier reguliert SOCAM direkt mit den Produktionsbetrieben ohne Einbindung des Konzerns und gibt auch keine Reports an ihren Auftraggeber weiter. Der Informationsfluss über die Audit-Befunde ist also eingeschränkt, und an die Öffentlichkeit gelangen praktisch keine Details. Auch die Lieferanten von C&A werden nicht offengelegt.

Kritik von NGOs

C&A begründet die Intransparenz der SOCAM-Ergebnisse mit seinem Vertrauensverhältnis mit seinen Lieferanten. Der Ansatz von C&A sei partnerschaftlich. Zwar werde C&A von schwerwiegenden Verstößen in Kenntnis gesetzt, aber es sei nicht im Sinne der beteiligten Mitarbeiter der Lieferanten, wenn C&A Missstände offenlege. Gemeinsam mit dem Lieferanten sollen Lösungen gefunden werden, denn am meisten sei den Betroffenen durch die konkrete Hilfe vor Ort geholfen.

Diese wenig transparente Vorgehensweise bei der Kontrolle der Lieferanten und der zugrunde liegende Code of Conduct werden auch kritisiert. So moniert die Kampagne für Saubere Kleidung die fast ausschließlich internen Kontrollen der Produktionsstätten bei C&A durch SOCAM sowie die im internationalen Vergleich geringeren Sozialstandards des Verhaltenskodexes.

Stiftung Warentest befindet C&A für „sehr transparent“

Dass Heimlichkeiten jedoch nicht immer Schlechtigkeiten bedeuten, zeigen die Ergebnisse eines CSR-Tests der Stiftung Warentest bei Damen T-Shirts. Für diesen Test hat C&A seine Lieferanten gegenüber Stiftung Warentest offengelegt – und wurde mit einer vergleichsweise guten Platzierung belohnt: Mit „engagiert“ landete das Unternehmen auf dem dritten Platz in der CSR-Bewertung – und damit vor einigen weit teureren Herstellern. Im Testkommentar wird C&A als „sehr transparent“ hervorgehoben. Dieses Attribut trägt neben C&A nur noch ein weiterer Modeproduzent von den 20 Firmen im Test.

Letztlich werden die C&A-Kunden entscheiden, ob sie den Code of Conduct und das Prinzip der internen Kontrollen als ausreichend akzeptieren. Ob dieses Vorgehen ihr Vertrauen stärkt oder erschüttert. Julia Hecker

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