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T wie Tabubruch
![]() Der Spiegel brachte es Ende Mai 2008 ans Licht: Um herauszufinden, wer interne Informationen an die Presse weitergegeben hat, habe die Deutsche Telekom in den Jahren 2005 und 2006 Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten, Managern und Journalisten sammeln und auswerten lassen. Der Konzern gab die interne Bespitzelung daraufhin zu. Ein klarer Tabubruch des ehemaligen Staatskonzerns. Die Kunden erwarten und vertrauen darauf, dass ihre Gespräche nicht von Dritten abgehört oder Daten zu Inhalten und Gesprächspartnern ungehindert weitergegeben werden. Eine Bespitzelung im eigenen Konzern, die von Teilen des Managements oder Aufsichtsrats angeordnet worden sein soll, beschädigt dieses Vertrauen erheblich. Es wird plötzlich deutlich: Jeder hinterlässt beim Telefonieren Spuren und könnte Opfer von Datenmissbrauch werden. Der amtierende Vorstandschef René Obermann zeigte sich über die Vorwürfe "tief erschüttert". Das Unternehmen versprach rückhaltlose Aufklärung, die Staatsanwaltschaft sei bereits eingeschaltet.
Einige Tage später berichtete die Financial Times Deutschland, die Telekom habe bereits viel früher als bisher bekannt Spitzelaufträge erteilt, um Informanten aus dem Konzern auf die Schliche zu kommen. Schon im Jahr 2000 seien Bespitzelungsaktionen u.a. in den Redaktionen von Capital und Financial Times Deutschland in Auftrag gegeben worden. Medien, Gewerkschaften, Datenschützer und Politiker reagierten entsetzt. Die Bonner Staatsanwaltschaft eröffnete am selben Tag ein Ermittlungsverfahren. Obwohl die frühere Konzernspitze – der ehemalige Vorstandschef Kai-Uwe Ricke sowie Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel – im Zentrum der Ermittlungen steht, gerät auch Obermann zunehmend unter Druck: Er musste eingestehen, bereits im Sommer 2007 davon erfahren zu haben. Zwar hat der Vorstandschef reagiert und die Abteilung für Konzernsicherheit umstrukturiert. Aber er informierte weder die Staatsanwaltschaft noch den bespitzelten Capital-Redakteur über die Maßnahmen. Ein Konzernsprecher räumte ein, man habe gehofft, den Fall aus der Öffentlichkeit heraushalten zu können. Obermann muss sich fragen, ob seine Entscheidung richtig war, die Sachverhalte im vergangenen Sommer zu verschweigen. Roland Tichy, Chefredakteur der Wirtschaftswoche, formuliert es so: "In einer offenen Gesellschaft findet die Wahrheit ihren Weg, auch an Spitzeln vorbei und trotz zahlreicher Repressionen." Journalisten würden eben am liebsten die Geheimnisse entdecken, die die anderen zu verstecken oder schönen versuchen. Sein Tipp: "Räumt den Laden endlich auf, dann gibt es bald nichts mehr Geheimnisvolles zu berichten!" Laut Wirtschaftswoche offenbare der Tabubruch, dass eine gewachsene Unternehmenskultur fehle und ebenso ein Management, die diese auch vorlebt. Das Aufstellen von Regeln und die Einrichtung kontrollierender Instanzen alleine reichen nicht aus, um Fehlverhalten vorzubeugen. Dies hat René Obermann bereits erkannt, der einen "Kulturwandel im Denken" fordert. Wie wichtig eine starke Führungskultur ist, weiß auch Siemens-Chef Peter Löscher. In den Skandal um schwarze Kassen und mutmaßliche Schmiergeldzahlungen des Münchner Technologiekonzerns sollen selbst Mitarbeiter der Antikorruptions-Abteilung verwickelt gewesen sein: "Klipp und klar: Die Führungskultur hat versagt. Manager haben Gesetze übertreten. Das hat aber nichts mit mangelnden Regeln zu tun. Siemens hatte und hat ein durchaus hervorragendes Regelwerk. Nur wurde offenkundig fortwährend dagegen verstoßen. Die Führungskultur wurde einfach nicht durchgängig und einheitlich gelebt.“ Kristin Hutzler erstellt: 11.06.2008; geändert: 03.06.2009 |
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