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Ratiopharm
![]() In der Pharmabranche herrscht ein harter Wettbewerb. Da wundert es nicht, dass Unternehmen zu raffinierten Marketinginstrumenten greifen, um ihre Arzneimittel an die Patienten zu bringen. Im Jahr 2005 wurde der Pharmakonzern Ratiopharm beschuldigt, Ärzten systematisch Geld dafür zu zahlen, dass sie Produkte des Unternehmens bevorzugt verschreiben. Um seinen Marktanteil zu erhöhen, bezahlte Ratiopharm Ärzten die Praxissoftware Doc Expert. Diese Software schlägt dem Arzt bevorzugt Ratiopharm-Produkte vor. Besonders verschreibungswillige Ärzte wurden regelmäßig mit Sachgeschenken oder mit Schecks belohnt.
An dieser Praxis waren hunderte von Personen beteiligt, so etwas wird zwangsläufig irgendwann publik. Für die Zeitschrift Stern war das Thema ein gefundenes Fressen, sie deckte den Skandal auf und berichtete ausführlich darüber (Heft 46 / 2005). Seitdem hat die Vertriebspraxis von Ratiopharm immer wieder für negative Schlagzeilen in den Medien gesorgt, zum Beispiel im Spiegel. Der Ruf des Unternehmens wurde nachhaltig geschädigt. Für Transparency International (TI) ist die Einflussnahme der pharmazeutischen Industrie bei der Vermarktung ihrer Produkte eines der heikelsten Kapitel der Korruption im Gesundheitswesen. Zur Bekämpfung der Korruption fordert TI unter anderem, dass finanzielle Verbindungen zwischen Sachverständigen und Sponsoren offen gelegt werden.
Ratiopharm war sich der Fragwürdigkeit seiner Handlungen offenbar bewusst, denn Zahlungen an Ärzte wurden oft als Referentenhonorar oder Patientenseminar getarnt. Für Ratiopharm wäre es das Gebot der Stunde gewesen, anzukündigen, dass man die Vorwürfe prüft und konsequent dagegen vorgeht. Stattdessen erklärte das Unternehmen, der Bericht des Stern stütze sich auf dubiose Quellen und falsche Fakten und man werde juristische Schritte gegen das Magazin einleiten.
Gleichzeitig betonte Ratiopharm, man sei nach wie vor davon überzeugt, mit seiner Marketingstrategie nicht gegen das Strafrecht verstoßen zu haben. Das sah die Staatsanwaltschaft anders. Sie hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer Beteiligung an Untreue und Betrug von Ärzten begonnen. Die Polizei hat die Firmenzentrale durchsucht. Bis heute wird gegen mehrere hundert Mitarbeiter von Ratiopharm ermittelt. Ausgang offen. Christian Kronberger
erstellt: 04.03.2008; geändert: 03.06.2009 |
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