Skandale am Fließband
Der größte Automobilhersteller Europas stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Rampenlicht kritischer Öffentlichkeiten aufgrund unterschiedlicher Affären. Immer wieder kamen unerfreuliche Tatsachen ans Licht.
- 1996: Bei der sogenannten Opernball-Affäre besuchte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder mit seiner damaligen Gattin auf Kosten von VW den Wiener Opernball. Geschätzte Kosten: 12.000 Euro.
- 1997: Der stellvertretende Vorstandschef der VW-Tochter Skoda, Volkhard Köhler, muss das Unternehmen wegen einer Schmiergeldaffäre rund um den Anlagenbau einer neuen Lackiererei verlassen.
- 1998: Der Ex-VW-Vorstand Lopez soll bei seinem Weggang von Opel 1993 geheime Unterlagen mitgenommen haben. Er wird zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.
- 2004: Die sogenannte VW-Gehaltsaffäre. Sechs SPD-Abgeordnete standen jahrelang auf der VW-Gehaltsliste, ohne maßgeblich für das Unternehmen gearbeitet zu haben. Rücktritte, gerichtliche Schritte und eine Richtlinienänderung bei VW sind die Folge.
- 2005: Mitglieder des Betriebsrats wurden mit Wissen des Personalvorstandes Peter Hartz durch die Firmenleitung mit Luxusreisen, Dienstleistungen durch Prostituierte und sonstige Zuwendungen bestochen und dadurch in ihren Entscheidungen beeinflusst.
Dies sind nur einige Beispiele. Sie legen den Schuss nahe, dass die Führungsetage nicht erkannt hat, dass Unternehmen im Glashaus sitzen. Und dass solche Praktiken dem Unternehmen schaden. Der chronisch gewordene Reputationsnotstand bescherte dem Konzern laut CTI-Vertrauensranking im Februar und März 2008, als das Urteil über Betriebsratschef Klaus Volkert gesprochen wurde, insgesamt 90 Negativartikel in Bezug auf sein ethisches Verhalten.
Gut: Schon im November 2005 war für den damaligen Konzernchef Pitschesrieder Zeit zum Handeln und er kündigte an: „VW wird nach innen und außen ein transparentes Unternehmen.“ Im Januar 2006 wurde bei der Volkswagen AG ein weltweites Antikorruptionssystem mit unabhängigen Rechtsanwälten als Ombudsmänner und einem internen Antikorruptionsbeauftragten aktiviert. Sie sind zusätzliche Anlaufstellen für Hinweisgeber zu Korruptionsverdachtsfällen im Konzern. Laut Website haben die Ombudsmänner im Jahr 2007 „unter Wahrung der Anonymität der Hinweisgeber 46 Hinweise an den internen Antikorruptionsbeauftragten der Volkswagen AG weitergeleitet“. Allen Hinweisen werde nachgegangen.
Es bleibt abzuwarten, ob die ergriffenen Maßnahmen Bestechung und Korruption wirkungsvoll eindämmen können und ob der neue Volkswagen-Chef Martin Winterkorn eine entsprechende Führungskultur intern kommunizieren und etablieren kann. Tanja Sand
erstellt: 27.01.2009; geändert: 27.01.2009