Gründe für Transparenz Im Wesentlichen gibt es vier Motivkategorien, die erklären, warum sich Unternehmen mit freiwilliger Transparenz auseinander setzen.
- Risiko-Imperativ: Diese Unternehmen erkennen Intransparenz als potentielle Risikokategorie und entscheiden sich dafür, diese Risiken frühzeitig durch freiwillige Transparenz aktiv zu managen. Die Motive sind hier Gefahrenabwehr und Risikominimierung.
- Wettbewerbs-Imperativ: Durch eine vorauseilende Hinwendung zu mehr freiwilliger Transparenz streben Unternehmen nach Wettbewerbsvorteilen. Sie wollen Wettbewerber überflügeln durch die Gewinnung von Vertrauen und Kundenloyalität durch Transparenz. Nicht selten machen sie daher ihre besondere Offenheit zum Thema in Marketing und Kommunikation.
- Moralischer Imperativ: Solche Unternehmen lassen sich leiten von primär moralischen und ethischen Verpflichtungen und setzen deshalb auf ein hohes Maß an freiwilliger Transparenz unter Beteiligung ihrer Stakeholder. In dieser Kategorie finden sich nicht selten Familienunternehmen. Die Inhaber fühlen sich verpflichtet, ihren Mitarbeitern und ihrem gesellschaftlichen Umfeld gegenüber möglichst transparent zu sein.
- Krisen-Imperativ: Die Unternehmen haben zunächst Fehler gemacht und dadurch in eine bedrohliche Vertrauenskrise geraten. Sie wurden bei Preisabsprachen erwischt, haben Mitarbeiter bespitzelt, Kunden bestochen, schadhafte Produkte verkauft, das Geld ihrer Kunden veruntreut oder ähnliches. Im Zuge der Krisenbewältigung erkennen sie, dass freiwillige Transparenz ein wirkungsvolles Instrument ist, um Vertrauen möglichst rasch wieder aufzubauen. Doch aufgepasst: Was Unternehmen nach der Krise versprechen, müssen sie dann auch langfristig einlösen. Die kritischen Stakeholder bleiben wachsam, ob die angekündigten reinigenden Prozesse und Verbesserungen auch tatsächlich umgesetzt werden. Daher ist es für solche Unternehmen enorm wichtig, über viele verschiedene Maßnahmen und Prozesse glaubwürdig und nachhaltig transparent zu machen, dass sie sich geändert haben.
Egal aus welchem Grund sich Unternehmen für mehr Transparenz entscheiden. Immer hat dies auch Auswirkungen auf das Wettbewerbsumfeld. Denn wenn sich ein oder mehrere Unternehmen einer Branche als Vorreiter für freiwillige Transparenz positionieren, geraten in der Regel die direkten Wettbewerber unter wachsenden Transparenz-Druck. Sie werden angreifbar. Schnell sind Zweifel an deren Vertrauenswürdigkeit gesät, denn offensichtlich haben sie etwas zu verbergen. Dr. Volker Klenk
erstellt: 02.10.2009; geändert: 06.10.2009