Ohne Vertrauen geht`s nicht

"Vertrauen ist der Anfang von allem" lautete lange Jahre der Werbeslogan der Deutschen Bank. Ein guter Slogan. Wahrscheinlich in keiner Branche so überlebenswichtig wie im Bankensektor. Die Bank hat sich inzwischen einem neuen Slogan zugewendet, doch das Vertrauen von Kunden und anderen Stakeholdern in das Finanzinstitut ist nach wie vor eines der wichtigsten Fundamente.

Vertrauen ist aber nicht nur in einzelnen Branchen ein zentraler Erfolgsfaktor. Ohne Vertrauen geht es gar nicht. Zumindest nicht gut. Nicht zwischen Eheleuten, nicht zwischen Vater und Sohn, nicht zwischen Mitarbeitern und Führungskräften, nicht zwischen Unternehmen, nicht zwischen Volk und Staat, nicht zwischen Politikern oder zwischen Regierungen. Die Beziehungen zwischen Transparenz und Vertrauensbildung sind kaum erforscht. Die Bedeutung von Vertrauen für den unternehmerischen Erfolg schon eher.

Erstmal wissenschaftlich abgesicherte, kontinuierliche Daten über Vertrauensprofile von Unternehmen in deutschen Medien liefert der Corporate Trust Index (CTI). Eine gemeinsame Studie von Universität Leipzig, PMG Presse-Monitor und manager-magazin.de. Für Methode, Codierbuch und Interpretation der Ergebnisse zeichnen Prof. Dr. Günter Bentele und Prof. Dr. Ansgar Zerfaß von der Leipziger Hochschule verantwortlich. Die auf großen Datenmengen beruhende empirische Methode wurden durch die Theorie des öffentlichen Vertrauens von Bentele und mehrere qualitative Forschungsprojekte (Fallstudien) an der Uni Leipzig vorbereitet.

Dass sich für den Corporate Trust Index ein Medium, ein Medienbeobachter und zwei PR-Professoren zusammengefunden haben ist kein Zufall. Die Verantwortlichen für Unternehmenskommunikation spielen eine entscheidende Rolle bei Aufbau und Pflege von Vertrauen in ein Unternehmen und seine Dienstleistungen oder Produkte. Strategische Medienarbeit ist und bleibt dafür eines der wirkungsvollsten Werkzeuge. Bentele drückt dies im Kundenmagazin der PMG so aus: "Wer Erfolg haben will, dem müssen die Leute und vor allem auch die Medien vertrauen. Den Medien fällt hier eine Sonderrolle zu, als wichtiger Vertrauensmittler zu fungieren. Aber: die meisten Themen für die Medien liefert die PR. Insofern sind auch Pressesprecher und Kommunikationsmanager wichtige Vertrauensvermittler." (INSIGHTOUT, Januar 2008, S. 16-17) Dr. Volker Klenk


erstellt: 15.02.2008; geändert: 03.06.2009


Vertrauen und Wirtschaft

Ohne Vertrauen keine florierende Wirtschaft. So einfach. Rainer Hank hat sich im Februar 2008 in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ausführlich mit dem Thema Vertrauen und Wirtschaft auseinander gesetzt (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 3. Februar 2008. S. 48f.). Denn was passiert, wenn statt Vertrauen auf einmal Misstrauen herrscht? Wenn ein bislang reibungslos funktionierender Mechanismus aus dem Takt gerät? Scheinbar einfach so, ohne Erklärung, ohne dass tatsächlich faktisch etwas passiert wäre? „Was passiert, wenn Vertrauen zusammenstürzt, ließ sich in den vergangenen Monaten an den Finanzmärkten beobachten. Erst wurden amerikanische Banken ihre Kreditrisiken nicht mehr los, weil Zweifel an der Bonität der Schuldner aufkam. Dann haben Banken rund um die Welt aufgehört, sich untereinander Geld zu leihen, weil sie plötzlich nicht mehr sicher waren, ob sie es je wieder verzinst zurückbekommen werden. Schließlich flüchteten die Anleger aus ihren Aktien, weil ihnen angesichts zunehmender Rezessionsgefahren der Glaube an steigende Kurse abhandengekommen war.“

Die katastrophalen Folgen fehlenden Vertrauens in einer Gesellschaft sind vergleichbar. Das beste Beispiel bietet die Mafia in Italien. Da wo ein Grundvertrauen in öffentliche Institutionen fehlt, wird Vertrauen als käufliche Ware feilgeboten. „Das aus einer mafiosen Gesellschaft entstehende kollektive Desaster ist dramatisch: hohe Kriminalitätsraten, hohe Transaktionskosten, aufgrund fehlenden Wettbewerbs geringe Anreize zu technischen Innovationen (…), Migration des besten Humankapitals, hohe Betrugsraten, schlechte Qualität der Waren und Dienstleistungen. Mit anderen Worten: Eine Welt, der das Vertrauen abhandenkommt und in welcher persönlicher Schutz als privates Gut angeboten werden muss, erleidet erhebliche Wohlstandsverluste.“ Nina Offermann

erstellt: 15.01.2008; geändert: 24.02.2010