Die "Bibel der Globalisierungsgegner": Schwarzbuch Markenfirmen

Kritische Berichterstattung über Unternehmen gab es schon immer. Über Jahrzehnte waren die Mittel der Kritiker dieselben: Zeitungsartikel, TV-Reportagen, Bücher, Vorträge. Die Inhalte waren letztlich flüchtig. Die Aufmerksamkeit bei neuen Themen ist zunächst hoch, um dann nach kurzer Zeit wieder auf nahezu Null abzuebben. Das hat sich grundlegend geändert. Transparenz-Treiber, ob Journalisten oder Buchautoren, treiben ihre Themen heute crossmedial rund um den Globus. Zum Launch eines neuen Buches wird die passende Website hochgefahren und der Autor startet seinen eigenen Blog dazu. Die Folge: Das Thema bleibt präsent, die Leser können interagieren, die Autoren ihre Kritik laufend online aktualisieren.

Ein gutes Beispiel ist das 2001 erschienene „Schwarzbuch Markenfirmen" von Klaus Werner und Hans Weiss, das in den Medien teilweise als „Bibel der Globalisierungsgegner“ bezeichnet wurde. Im klaren journalistischen Stil werden hier 50 Weltkonzerne aufgelistet und ihre ethischen Sünden beschrieben. Die Autoren prangern große Unternehmen an wie Nike, Bayer oder Nestlé, sei es wegen der Ausbeutung der Lohnarbeiter in den asiatischen Sweatshops oder wegen Umweltzerstörung. Bei der Aufdeckung der Skandale wurde nicht nur im Internet recherchiert. Als vermeintlicher Pharmaberater versucht Co-Autor Weiss zu beweisen, dass westliche Pharmaunternehmen in Osteuropa gefährliche Medikamentenversuche an Menschen durchführen lassen.
Das Schwarzbuch ist nicht Werners einziges Werk. Der Österreicher recherchiert stets zum Thema Missstände in den Weltunternehmen. Mit seinem Buch „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“ aus dem Jahr 2008 wendet sich Werner vor allem an Jugendliche. Er beschreibt darin Hintergründe und Mechanismen in der globalen Wirtschaft und versucht seine jungen Leser zum Handeln zu mobilisieren, indem er sie beispielsweise aufruft, eigene Blogs mit entsprechender Thematik zu gründen. Werner selbst betreibt eine Internetseite zum Buch unsdiewelt.com und seinen Blog klauswerner.com.

Werners Arbeiten erreichen viele Menschen rund um den Globus. Sein Schwarzbuch über die Markenartikler erschien in einer Erstauflage von 150.000 Exemplaren und wurde in neun Sprachen übersetzt. Im Juni 2006 folgte eine aktualisierte Ausgabe. Über den Inhalt wird auf zahlreichen Internetplattformen für strategischen Konsum wie utopia.de diskutiert. Keine der angeschuldigten Firmen hat bislang gegen das Buch geklagt. Dies verwundert Werner nicht, wie er auf planet-interview.de erläutert: „Wenn es zu einem Prozess kommt, steigt das Medieninteresse und dann tragen die Konzerne einen Imageschaden davon. Solange ich in meinen Büchern keine falschen Dinge schreibe – und das tue ich nicht – werden die mich nicht verklagen, weil dann die Auflage meines Buches steigt, und das wollen sie nicht.“ Tereza Tomancáková

erstellt: 20.04.2009; geändert: 20.04.2009