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„Spiegel-Leser wissen mehr“
![]() Seit über einem halben Jahrhundert steht der Spiegel für kritischen, investigativen Journalismus und gute Geschichten. Kein anderes Medium hat so viele Schlagzeilen über andere aber auch sich selbst produziert und zahlreiche Skandale und Affären aufgedeckt – mit einschneidenden wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen. Man denke nur an die Flick-Affäre, den Neue-Heimat-Skandal oder die Aufdeckung der schwarzen Konten der CDU 1999/2000.
Doch nicht nur Politiker fürchten den Spiegel – auch Wirtschaftsführer. 1988 enthüllte der Spiegel den Aufsehen erregenden Betrug in der ehemaligen co op AG. Die drei co op-Vorstände nutzten damals die intransparenten Eigentümerstrukturen des Konzerns, um große Teile der co op-Umsätze nach Liechtenstein und die Schweiz zu verschieben. Nach der Aufdeckung wurde der Vorstand sofort entlassen und wegen Untreue und Betruges angeklagt. Ohne Rücksicht auf Verluste aufklären, das war die Devise vom Spiegel-Gründer Rudolf Augstein. Und auch heute noch ist der Spiegel immer wieder an Enthüllungen beteiligt – wie am Schmiergeldskandal bei Siemens im Herbst 2006.
Über 270 Journalisten recherchieren, schreiben und redigieren Artikel für 52 Spiegel-Hefte pro Jahr. Jeder Artikel muss dem Spiegel-Statut von 1949 entsprechen: „ […] Jede Nachricht und jede Tatsache ist peinlichst genau nachzuprüfen.“ Nur so ist qualitativ hochwertiger Journalismus, der glaubwürdig ist, möglich. Der Spiegel hat durch seine vielen Journalisten, seinen großen Redaktionsetat, sein gutes Netzwerk an Informanten die nötigen Mittel, Licht ins Dunkel zu bringen. Die meisten Redaktionen können von solchen Bedingungen nur träumen.
Aber es gibt auch kritische Stimmen, die eine Debatte um die Qualität des Blattes anstoßen: Der Spiegel vernachlässige politische Entwicklungen und verlagere seinen Schwerpunkt auf seichtere Themen, verkünden einige. Doch auch wenn der Spiegel nicht mehr ganz so kritisch wie früher ist, trägt er doch entscheidend zur Transparenz bei. Imane El Alaoui erstellt: 11.04.2008; geändert: 13.11.2009 TV-Politikmagazine ![]() Bei den Störanfällen in den Atomkraftwerken von Brunsbüttel und Krümmel im Sommer 2007 zeigten der Vorstand und die Kommunikationsverantwortlichen des Stromkonzerns Vattenfall Mut zur Lücke: Nur scheibchenweise und auf öffentlichen Druck wurden Bürger und Behörden unterrichtet. Von Transparenz keine Spur.
Oft sind es Politikmagazine im Fernsehen wie Monitor vom WDR, die wie Spürhunden die Fährte von Skandalen aufnehmen und dafür sorgen, dass wichtige Informationen an die Öffentlichkeit gelangen und Missstände aufgedeckt werden. Sie schaffen und fordern die nötige Transparenz, die die Unternehmen selbst oftmals am liebsten vermeiden würden. Doch mit Vertuschung, Vernebelung und Salamitaktik schaden sie sich eher, als dass sie sich schützen, wie der immense Image-Schaden für den Konzern Vattenfall infolge seiner mangelhaften Kommunikation zeigte. Doch nicht nur Unternehmen werden vom investigativen Journalismus im Stile von Monitor kritisch beäugt – auch Behörden und Politiker: Erst Ende 2006 enttarnte Monitor eine besonders dreiste Art des Lobbyismus: Mitarbeiter von Unternehmen aus der Privatwirtschaft wurden in mehreren Bundesministerien positioniert und arbeiteten unter anderem an Gesetzesentwürfen mit. Was die Beispiele ähnlich macht: Auch hier wurde falsch und unvollständig informiert – allerdings war diesmal die Bundesregierung verantwortlich. Und schon wieder keine Spur von Transparenz. Monitor deckte die Lobbywirtschaft auf und erhielt 2007 dafür den renommierten Adolf Grimme-Preis. Und das war nicht die erste Auszeichnung, die Monitor für Hartnäckigkeit im Aufdecken von Skandalen verliehen wurde. Sonia Mikich, die seit 2002 Redaktionsleiterin ist und Monitor moderiert, formuliert den Anspruch des Magazins so: „Wir wollen die Mächtigen in der Politik, Wirtschaft oder Kultur konfrontieren. Sie sollen sich äußern zu ihren Entscheidungen, Unterlassungen und Handlungen. Sie sollen an ihre Versprechen von Vorgestern erinnert werden.“ Kritischer, investigativer Journalismus wird in der Redaktion schon seit Gründung des Magazins vor über 40 Jahren groß geschrieben. Auch wenn Monitor teilweise einen skandalisierenden Stil pflegt, sorgen Formate wie diese dennoch dafür, dass Transparenz und eine kritische Diskussion in der Öffentlichkeit ermöglicht werden. Die Abneigung vieler Akteure gegen solche Politikmagazine wie Frontal21, Report, Kontraste oder Panorama ist bekannt. Interviewanfragen werden oft abgelehnt, Recherchen behindert – immer zu Lasten der Transparenz. Imane El Alaoui
erstellt: 19.03.2008; geändert: 13.11.2009 Wen interessiert ein Freispruch? Im November 2006 schlugen dem Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) hohe Wellen der Entrüstung entgegen. Der Vorwurf damals: Massenhafte Täuschung von Bundestagsabgeordneten durch gefälschte Briefe. Exemplarisch dazu ein Zitat aus dem Handelsblatt vom 31.10.2006: In diesem Fall hat sicher eine wichtige Rolle gespielt, dass man der PKV zugetraut hat, dass sie massenhaft Briefe fälscht. Weil es im Gesundheitssystem eben unglaublich viele schwarze Schafe gibt und es um viel Geld geht. Einem solchen Misstrauen können solche Akteure nur durch laufende, nachprüfbare Tranzparenz-Maßnahmen begegnen. Dr. Volker Klenk erstellt: 12.10.2007; geändert: 03.06.2009 Die Siemens-Rolex ![]() Wie kann ein Unternehmen nur auf die Ideen kommen, bereits veröffentlichte eigene Pressefotos im Nachhinein zu manipulieren? So geschehen bei Siemens.
Um was es bei dieser im Grunde schon alten Story geht, steht u.a. in der FTD vom 7.11.06:
„Juli 2004: Ein offizielles Siemens-Foto zeigt Klaus Kleinfeld mit einer Rolex-Uhr. Als das gleiche Bild zu Kleinfelds Amtseinführung ein halbes Jahr später wieder verwendet wird, fehlt die Rolex - sie war wegretuschiert worden."
Schon damals gab es Kopfschütteln über dieses ungeschickte Vorgehen der Siemens-Kommunikation. Was soll das im Glashaus? Jeden Tag begegnete Herr Kleinfeld Menschen, die sehen, dass er eine Rolex trägt. Na und? Er muss nur dazu stehen. Sonst wird er zum Umfaller. Das Blöde daran: Diese PR-Panne haftete Kleinfeld nun an den Sohlen. So schnell er auch rennen mag, er wird sie ebenso wenig wieder los wie der Deutsche-Bank-Chef Ackermann sein V-Zeichen. Die Schmach um das Bild blieb - und wurde immer wieder gerne zitiert. Auch Monate und Jahre danach noch.
Unter anderem hat Thomas Rommerskirchen, Chefredakteur des prmagazins, in der Novemberausgabe 2006 in seinem Editorial darauf mit spitzer Feder Bezug genommen. Er mahnt die PR-Chefs, dass sie mit ihrem Mut, ihren Fähigkeiten und ihrer Ausdauer, unternehmerisches Handeln in größtmöglichen Einklang mit der Gesellschaft bringen müssen - das sei wichtiger als Rolexe zu retuschieren. Und alle wissen, was und wer gemeint ist - im Glashaus. Dr. Volker Klenk (Foto: Siemens Pressebild)
erstellt: 12.10.2007; geändert: 13.11.2009 |
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