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Fraport AG
![]() Die Baubranche gilt als besonders anfällig für Wirtschaftskriminalität. Diese Erfahrung machte auch die Fraport AG. Die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, die im In- und Ausland noch an weiteren Flughäfen beteiligt ist, wurde in den 1990er Jahren von den eigenen Mitarbeitern um rund zehn Millionen Euro betrogen. Bei der Erweiterung des Airports Frankfurt hatte eine ganze Abteilung überteuerte Aufträge abgesegnet, sich den „Ertrag“ mit den Baufirmen geteilt.
Neben den Finanzen litten auch Unternehmensreputation und Mitarbeitermotivation. Um derartige Vorfälle zukünftig zu vermeiden, führte die Fraport AG im Jahr 2003 ein Wertemanagementsystem ein. Denn das Unternehmen ist auf Dauer verwundbar. Vor allem in Hinblick auf die Erweiterung des Frankfurter Flughafens: das größte Bauprogramm seit Gründung. Insgesamt sechs Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren verbaut werden. Das Wertemanagement regelt viele Bereiche des Arbeitslebens: vom Umgang mit Geschenken und Zuwendungen über Kriterien bei der Auswahl von Zulieferern bis hin zu Sanktionen bei Fehlverhalten. Das Besondere: Es setzt auf größtmögliche Transparenz der Prozesse. Führungskräfte der Abteilungen sorgen für die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips. Arbeits- und Geschäftsverträge, die alle Antikorruptionsklauseln beinhalten, werden immer von einer zweiten Person gegengelesen. Die Regeln im Umgang mit Geschäftspartnern wurden deutlich konkretisiert: Jeder Mitarbeiter kann nachlesen, welche Handlungsweisen in Ordnung sind und welche nicht. Wertemanagement ist darüber hinaus Teil der Zielvereinbarung von Führungskräften. Wer sich in seinen Bereichen oder Teams nicht aktiv dafür einsetzt, dass die Unternehmenswerte wie Integrität und die Einhaltung der Fraport-Regeln umgesetzt werden, riskiert gekürzte Bonuszahlungen.
Oberste Leitlinie: Handlungen auf der Basis von Recht und Gesetz sind ein höheres Gut als die Gewinnung eines Auftrags. Die ethischen Standards des Unternehmens stehen nicht nur auf dem Papier, sie werden auch kommuniziert – bei Einstellungsgesprächen, Verhandlungen mit neuen Geschäftspartnern und Auftragnehmern und bei regelmäßigen Schulungen. „Die Mitarbeiter müssen verstehen, wie sie in die Falle geraten können“, sagt Chefrevisor Otto Geiß im Handelsblatt. „So wollen wir langfristig die Hemmschwelle erhöhen.“ Tchoko Souga erstellt: 03.09.2008; geändert: 03.06.2009 |
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