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Der Transparenz-Hammer von Markant

13 Nov 2013

„One Globe“ nennt die schweizerische Handelsgruppe Markant ihre Initiative. Der Begriff mag abgedroschen sein, aber was sich dahinter verbirgt ist ein echter Transparenz-Hammer. Die Website dazu steht seit September 2013 im Netz. Dort erklärt das 80-Mrd.-Euro-Umsatz-Unternehmen die Gründe und Ziele der Initiative: Man möchte „dafür sorgen, dass den Verbrauchern künftig detaillierte Informationen über Produkte, Produktionsbedingungen und Lieferketten zur Verfügung gestellt werden.“ Das Handelshaus positioniert sich dabei wie kein anderes als Informationsdienstleister für seine Handelspartner wie Kaufland, Globus, tegut, Lekkerland, dm drogerie-markt, Müller.

Markant Transparenz Initiative

Markant schafft Markt- und Produkttransparenz

Das Problem sei häufig, dass Informationen über Produkte, Produktbestandteile und Produktionsbedingungen nicht strukturiert und nicht für den problemlosen Zugriff vorliegen. Dem begegnet Markant nun durch den Aufbau einer zentralen Produkt-Datenbank, die diese Informationen allen Partnerunternehmen zur Verfügung stellt – und den Verbrauchern.

Dialogplattform im Internet schafft Marken-Transparenz

Als Plattform der externen Kommunikation dient der Internetauftritt. Hier soll eine breite Diskussion über das Thema Transparenz eröffnet werden, zum Start mit Beiträgen von Politiker, Wissenschaftlern, Experten Verbraucherschützer und natürlich Akteuren der Lebensmittelbranche selbst. Die Plattform soll sukzessive ausgebaut werden.

Markant bohrt das ganz dicke Brett

Zum Start der Initiative wurde eine fast 300 Seiten starke Sonderpublikation veröffentlicht (zu der ich einen Experten-Beitrag beisteuern durfte über Transparenz und Brand Management http://www.calameo.com/read/0007922976611a4787f99?authid=ruI4dksdHh3j). Im Magazin und textgleich auf der Website berichten hunderte Hersteller über ihre Transparenz-, CSR-, Nachhaltigkeitsbemühungen und Erfolge. Von AEG bis Zott sind nicht alle – aber doch unglaublich viele (schon) dabei. Eine derartige Bündelung von Informationen so vieler Hersteller gibt es bislang nicht. Das ist schon ein Hammer-Projekt, ein verdammt dickes Brett, das Markant hier bohrt.

Headlines im Markant Transparenz-Magazin

Headlines im Markant Transparenz-Magazin

Ganz große Transparenz-Ziele

Markant-Geschäftsführer Franz-Friedrich Müller beschreibt die Ziele seines Hauses wie folgt:

  • Wir müssen den Verbraucher über Entwicklungen, Ursachen und Hintergründe informieren, wir müssen sein Vertrauen durch Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit zurückgewinnen.
  • Die Entwicklung erfordert ein strategisches Umdenken in der gesamten Konsumgüter-Branche
  • Unser Ziel ist es, alle Informationen über Unternehmen, Produkte und Produktionsbedingungen so zur Verfügung zu stellen, dass unsere Kooperationspartner aus dem Handel und aus der Food- und Nonfoodindustrie direkt und ohne großen Aufwand darauf zugreifen können. Wir schaffen damit die informelle Basis für mehr Transparenz in der gesamten Branche.
  • Wir versuchen, das Thema grundsätzlich und umfassend anzugehen. Transparenz bezieht sich auf die Produkt-Ebene, von der Rohstoffgewinnung über die Logistik und Produktion bis zum Handelsregal.
  • Von der Industrie erwarten wir vollständige, umfassende und aktuelle Informationen rund um das Produkt. Dazu zählen auch Herkunftsangaben, Produktdokumente, Sicherheitsdatenblätter und Konformitätserklärungen. Das gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Nonfood. Dazu muss man wissen: Es gibt heute immer noch viele Lieferanten, die noch nicht dazu in der Lage sind, uns diese Informationen zur Verfügung zu stellen. Dabei verschärft sich die EU-Gesetzgebung für mehr Transparenz bei Produktinformationen immer mehr.

Bei Intransparenz droht Auslistung

Die Initiative des Handelsriesen ist richtig gedacht. Und richtig gemacht. Auch wenn im Moment noch jegliche Social-Media-Elemente fehlen. Aber das kann ja noch kommen. Ferner sind die Aussagen der Marken und Hersteller nicht so einfach überprüfbar für die Nutzer. Aber der Druck auf Überprüfbarkeit und Wahrheitsgehalt steigt durch die Initiative dieses Transparenz-Treibers nochmal kolossal.

Marken und Unternehmen, die diese neuen Formen und Tiefen der Transparenz nicht herstellen wollen oder können droht schlicht die Auslistung. Punkt.

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