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Dr. Hauschka: Die ungeschminkte Wahrheit

18 Jul 2015

Der Umsatz wächst so üppig wie die hauseigenen Heilpflanzen: Naturkosmetik von Dr. Hauschka, eine Marke der Wala Heilmittel GmbH, ist beliebt. Die hohe Nachfrage folgt der aktuellen Massenbewegung, sich an Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein zu orientieren. Jedoch ist Dr. Hauschka auf keinen Trend aufgesprungen: Die Marke produziert seit 1967 nach ähnlichen Rezepturen bio-zertifizierte pflegende Cremes und Make-up. Was ist das Geheimnis des stetigen Erfolgs? Neben den hochwertigen Produkten die kundenfreundliche Kommunikation und transparente Haltung – auch zu kritischen Themen.

Dr. Hauschka

Verbrauchererwartung: Nachhaltigkeit, fairer Handel, gute Arbeitsbedingungen

Laut Philosophie des Hauses entstehen Gesundheit und Schönheit nur nachhaltig im Einklang mit der Natur. Dr. Hauschka verarbeitet Inhaltsstoffe nach schonenden, naturrhythmischen Verfahren. Die Herstellung erfolgt unter selbstauferlegten strengsten Richtlinien – nach deutschem Arzneimittelgesetz, bei Kosmetik nicht vorgeschrieben. Bio-Siegel wie BDIH und NaTrue garantieren dem Verbraucher höchste Qualität. Es gibt weder Tierversuche noch künstliche Zusätze.

Rohstoffe wachsen entweder im mehrere Hektar großen Heilpflanzengarten oder werden fair gehandelt im Ausland zugekauft. Dr. Hauschka gilt dabei selbst als Pionier: Da der Rohstoff Mangokernbutter bisher nicht in Bioqualität angebaut wurde gründete das Unternehmen eine nachhaltige Produktion in Indien.

Dieses wirtschaftlich langfristige Denken erlaubt die Wala Stiftung. Deren Erträge dienen ausschließlich der Entwicklung und Bewahrung nachhaltiger Produktion. Für die rund 900 Mitarbeiter bietet das Unternehmen einen betriebseigenen Kindergarten, Schulgeldzuschüsse, Betriebsfahrräder und Monatskarten für die öffentlichen Verkehrsmittel. Mütter und Väter können nach langer Elternzeit über eine Teilzeitstelle zu ihrer Vollzeitstelle zurückkehren. Eine Gehaltsobergrenze regelt, dass kein Mitarbeiter mehr als des zehnfache des niedrigsten Gehalts verdient. Außerdem erhalten die Mitarbeiter 80% des Gehalts bereits zu Monatsbeginn. Als Vertrauensvorschuss, sagt Geschäftsführer Johannes Stellmann. Im Bewertungsportal Kununu landet Wala bei 3,2 von 5 Punkten.

Vorbildlich: Transparente Kanäle und klare Kommunikation

Das Unternehmen bietet Transparenz auf vielen Kanälen: Auf der eigenen Website, in sozialen Netzwerken, indirekt durch von Dr.-Hauschka-Kosmetikerinnen ehrenamtlich betriebene Foren. Auch Mitarbeiter- und Kundenzeitungen und Produkthefte informieren über Unternehmens- und Produktneuigkeiten.

Dabei werden kritische Aspekte nicht ausgeklammert: Aktiv macht Dr. Hauschka auf kontroversen Themen aufmerksam. Auf der Website stehen beispielsweise Artikel zu vieldiskutierten Inhaltsstoffen oder Verpackungsmaterialien. Zum Beispiel, warum Aluminium als Material verwendet wird und woher das Palmöl in den Produkten stammt. Andere Hersteller verzichten auch auf Nachfrage völlig auf solche Informationen. Die klare Menüführung und häufige interne Verlinkung der Website unterstützen die inhaltliche Transparenz.

Die Transparenz erstreckt sich bis hin zu Verpackungen und Verpackungsbeilagen: Inhaltsstoffe und Anwendungstipps stehen dort leserlich in Landessprache. Andere Hersteller listen diese oft nur in Latein und minimaler Schriftgröße auf. Auch in sozialen Netzwerken fällt die Kommunikation positiv auf. Durchschnittlich zwei Posts bei Facebook gibt es pro Tag. Auf Nachrichten und Posts der Fans erfolgt spätestens nach ein paar Stunden die Antwort.

Dr. Hauschka

Nachhaltige Augenwischerei? Klagen und Strafe des Bundeskartellamts

Trotz dieser vorbildlichen Aspekte macht Dr. Hauschka auch negative Schlagzeilen.

  • 2012 kam heraus, dass Wala am Sponsoring eines Journalisten beteiligt war, der Homöopathie-Gegner verriss.
  • Im Juli 2013 erteilte das Bundeskastellamt Wala eine Strafe von 6,5 Millionen, weil Händlern als Vertragspartner gekündigt wurden, die die Preisempfehlung der Dr.-Hauschka-Produkte unterschritten. Das Unternehmen nahm Stellung: Hohe Qualität müsse durch angemessene Preise garantiert werden.
  • Ende 2013 klagten zwei Ex-Mitarbeiter als Reaktion auf diese Strafe. Sie bangten nun um ihren Anteil am Gratifikationsmodell. Denn: Die Beschäftigten sind am Wala-Unternehmenserfolg beteiligt. Das Geld liegt auf Mitarbeiterkonten, die Firma zahlt die Summe nach 25 Jahren oder bei Rentenbeginn in zehn Jahresraten aus, unabhängig davon, ob der Mitarbeiter aktuell noch bei Wala beschäftigt ist. Die Kläger verlangten die sofortige Ausschüttung ihres Anteils, da das Geld nicht gesichert sei vor Strafen oder Insolvenz. Das Gericht lobte das Gratifikationsmodell ausdrücklich, sprach aber den Klägern Recht zu. Wala reagierte und schloß eine Versicherung ab auf die Mitarbeiteranteile. Die sind nun gesichert, unter anderem gegen Insolvenz.
  • Weitere schlechte Resonanz erhielt Dr. Hauschka 2014. Nach einer Produkt-Neuauflage wurden einige Händler, die zuvor nicht das neue Einstiegspaket bestellt hatten, ein halbes Jahr nicht mit Restbeständen beliefert. Laut Dr. Hauschka diente das dem einheitlichen Produktbild im Regal, die Händler fühlten sich jedoch dadurch „abgestraft“.

Transparenz und Natürlichkeit als Erfolgsstrategie

Mit der offenen und klaren Kommunikation auch zu kontroversen Themen hat sich Dr. Hauschka eine stabile Vertrauensbasis geschaffen. Von nachhaltiger Integrität und Konsistenz profitieren sowohl die Verbraucher als auch das Unternehmen selbst. Anna Kramer

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8 Kommentare

  • Volker Klenk

    Schwäbische Wertarbeit! Weiter so.

  • Hendrikje Lyhs

    Hi Anna,

    mir war vor Deinem Artikel noch gar nicht bewusst, dass Dr. Hauschka so vorbildlich agiert. Tolles Thema, toller Artikel!

  • Aida

    Gute Perspektive! So gewinnt man Vertrauen von Kunden!

  • Victoria

    Eincremen mit guten Gewissen. Interessanter Beitrag!

  • Anke Natalie Volkemer

    Man sollte bei Kosmetik wirklich mehr darauf achten, wie transparent und durchsichtig die Herstellug ist, gerade bezüglich Tierversuchen. Ein super Vorbild für die Branche.

  • Vanessa

    Ein tolles Produkt und zugleich vorbildlich!

  • Franz

    Ich hatte früher fiese Probleme mit meiner Haut und habe auf anraten verschiedenster Hautärzte auf diverse Tabletten und ärztlich verschriebene Salben zurückgegriffen. Wäre ich mehr über andere Produkte aufgeklärt worden, die meinem Hautbild zuträglich sind, wäre ich bestimmt auch über Dr. Hauschka gestolpert. Auch, wenn die Produkte recht teuer sind hätte ich ihnen bestimmt eine Chance gegeben (vor allem wegen der transparenten Unternehmensführung). Danke für den informativen Beitrag!

    • Anna

      Das ist ein absolut wichtiger Punkt: Zu wenig Information. Die meisten denken, bei Hautproblemen muss man zum Dermatologen. Dabei ist der vorherige Gang zur Kosmetikerin oft die bessere Wahl, denn die Kosmetikerin soll das Gleichgewicht der Haut bewahren und fördern. Es geht um Gesunderhaltung. Ein Dermatologe soll bereits fortgeschrittene Krankheiten heilen, und das tut er oft sich eher rabiat, da gehts dann nicht um Wellness für die Haut. Es ist wahnsinnig schade, dass nicht bereits in der Schule, z.B. im Rahmen des Bio-Unterrichts, auf Hautprobleme auch während der Pubertät eingegangen wird. Immerhin gibt es Sexualkunde und alles Wissenswerte über Hormone…
      Aber in jedem Alter tut Pflege gut :-)

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