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Ein Jahr nach dem Skandal: Ein Blick unter die Haube des ADAC

17 Jun 2015

Da ich kein Auto besitze, bin ich auch kein Mitglied. Der ADAC mit fast 19 Millionen Mitgliedern ist jedoch ein Riese unter den Vereinen in Deutschland. Auch ich kenne nur wenige Autofahrer, die nicht „Clubmitglied“ sind. Spricht man heute vom ADAC, schwingt bei vielen oft ein wenig Misstrauen mit, ein „da war doch mal was“ steht im Raum. Gemeint ist der Skandal um die Vergabe des Autopreises „Gelber Engel“ im vergangenen Jahr. Hier gab der damalige Chefredakteur der „Motorwelt“ Michael Ramstetter Manipulationen zu. Das stürzte den ADAC in eine schwere Image-Krise und sorgte auch im Web für Wirbel: Dort hatte der Verein prompt mit einem Shitstorm zu kämpfen.

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Nur wer die Motorhaube öffnet, kann auch reparieren

Verein oder Wirtschaftsunternehmen?

Der sonst vor Politik und Medien so selbstbewusst auftretende Platzhirsch geriet also in die Defensive. Weiteres Vertrauenskapital ging verloren, als einige der sonst so renommierten ADAC-Tests als unsauber angeprangert wurden. Hier zeigt sich ein grundlegendes Problem für einen Verein wie den ADAC: Das Vertrauen der Mitglieder ist für ihn von höchster Relevanz und potenziell überlebenswichtig.

Dabei ist vor allem die Vereinsstruktur des ADAC in der Kritik. Edda Müller, Vorsitzende von Transparency International und Mitglied im externen ADAC-Beirat , kritisierte 2014, dass die Finanzsituation des Vereins intransparent ist. Vor allem sollten wirtschaftliche Tätigkeiten den ideellen Zielen des Vereins untergeordnet sein.

Wenn ich darüber nachdenke fällt mir ein, was man alles beim ADAC kaufen kann: Reiseführer, Versicherungen und Autopflege sind wohl nur ein kleiner Teil des Sortiments. Wirtschaftliche Verstrickungen und die darüber herrschende Intransparenz scheinen also die Ursache für die Krise beim ADAC zu sein.

Was wurde unternommen?

Der ADAC reagiert auf die Krise mit einer grundlegenden Reform. Der Verein soll nun in einem „Drei-Säulen-Modell“ aufgehen. Das besteht aus:

1. Dem ADAC e.V. für Mitgliederleistungen (Pannenservice etc.)

2. Einer Aktiengesellschaft für wirtschaftliche Aktivitäten

3. Einer ADAC Stiftung für gemeinnützige Aufgaben

Außerdem gilt die Regel: „Gleichzeitiges Testen und verkaufen geht nicht.“ Dazu lässt sich der ADAC seine Testaktivitäten zertifizieren. Es bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahmen Früchte tragen oder bloß beruhigen sollen. Nur eine strukturelle Reform kann auch Strukturen beseitigen, die zu Intransparenz und kritischem Verhalten führen. Da reicht ein einfacher Verhaltenskodex nicht aus. Trotzdem soll es neue Compliance-Regeln geben, die etwa angeben, ob Pannenhelfer Geschenke annehmen dürfen.

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Bericht über die “Reform für Vertrauen” in der “Motorwelt”

Quelle.ADAC Aktuelle Kindersitze im ADAC-Test

Testen und verkaufen? Eine heikle Sache

Mitgliederbeteiligung?

Ein weiterer Gewinn in Sachen Transparenz sind Mitgliederbefragungen zu bestimmten Themen, auf deren Grundlage Einfluss auf die Politik genommen werden soll. Die Meinung der Mitglieder wird also nicht mehr einfach vorausgesetzt und in die Öffentlichkeit posaunt.

Ich merke, dass man beim ADAC Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will. Jetzt kommt es darauf an, dass diese strukturellen Änderungen auch von Mitarbeitern in den höheren Ebenen angenommen werden

Gutes Beispiel? Ja und nein.

Vertrauen wiederherzustellen ist viel schwieriger als bestehendes Vertrauen zu bewahren. Das musste der ADAC schmerzlich erfahren. Auch mit den nun eingeführten Transparenzmaßnahmen versucht man Vertrauen zurückzugewinnen. Das funktioniert leider nicht mehr reibungslos, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
Im Klartext: Freiwillige Transparenz schafft Vertrauen, Transparenz die durch eine Krise erzwungen wird, wird allenfalls kritisch beäugt. Trotzdem stellen die Maßnahmen eine gute Reaktion auf die Krise dar und könnten helfen, verlorenes Vertrauen wieder herzustellen.

Der ADAC befindet sich jedoch in der glücklichen Lage, mehr oder weniger der Monopolist unter den Automobilclubs zu sein. An stabilen Mitgliederzahlen nach einer kleinen Austrittswelle zeigt sich, dass Integrität und Transparenz für die Kunden nicht an erster Stelle zu stehen scheinen. Die Leistungen scheinen wohl eher im Interesse der Kunden zu liegen. Nach dem Motto: „Was kümmert mich Transparenz, wenn ich auf der Autobahn mit rauchendem Motor stehe.“

rr

Der ADAC bedankt sich bei seinen Mitgliedern für ihr Vertrauen

Werbung für Vertrauen

Bildquellen:

Offene Motohaube, Robin Riemann.

Ausschnitt aus der “Motorwelt”, Robin Riemann

Aktuelle Kindersitze im ADAC-Test, ADAC

Der ADAC bedankt sich bei seinen Mitgleidern für ihr Vertrauen, ADAC

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