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Google: Wenn Mitarbeiter mehr Transparenz wollen

23 Jul 2015

Heute Morgen im Zug hat mich ein Freund auf die aktuelle Diskussion um die Gehälter bei Google und damit verbundene Themen wie Transparenz, Gleichberechtigung und Rassismus hingewiesen. Was ist da los? Am 17. Juli erzählte Erica Baker auf ihrem Twitter-Account eine Anekdote aus ihrer Zeit bei Google. Damals habe sie eine Gehaltsliste angelegt, in der Google-Mitarbeiter freiwillig ihre Gehälter vermerken konnten. Was damit ins Rollen kam und warum Google ein Problem haben könnte, erläutere ich im heutigen Blogbeitrag.

Die Story: Aus Langeweile mehr Transparenz

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Nach Gesprächen im Google-internen Social Network erstellte Baker eine Tabelle, in der Google-Mitarbeiter ihren Namen und ihr Gehalt eintragen konnten. Die Liste wurde länger, diverse Unterschiede wurden deutlich.

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Einige Kollegen gingen mit dem Wissen aus dieser Tabelle in erneute Gehaltsverhandlungen und waren erfolgreich. Daraufhin schlugen wiederum einige Baker für Bonuszahlungen (sogenannte “peer bonuses”) vor, von denen alle bis auf eine abgelehnt wurden. In einem Gespräch mit einer Vorgesetzten wurde deutlich, dass Google die Initiative von Baker missfiel.

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Laut der Welt hat Google nichts dagegen, wenn sich Mitarbeiter über ihre Gehälter austauschen. Wenn das größere, systematische Ausmaße annimmt, sieht die Sache wohl anders aus.

Ein guter Freund und damaliger Kollege von Baker bekam alle Bonuszahlungen genehmigt. Er ist männlich und weiß, Baker weiblich und schwarz – jetzt ist auch Rassismus ein Thema.

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In ihren Tweets berichtet Baker weiterhin, dass einige ihrer Kollegen gar nicht wussten, dass Vorschläge für Bonuszahlungen überhaupt abgelehnt werden können.

Google wiederum ließ mitteilen, dass die Genehmigung solcher Zahlungen im ermessen der Manager liege (ebenfalls im verlinkten Welt-Artikel nachzulesen).

Erzwungene Transparenz schafft kein Vertrauen

Selbst, wenn die Aussagen von Erica Baker nicht der Wahrheit entsprechen, ist Google nun im Zugzwang. In gleich zwei Punkten erscheint das Unternehmen intransparent:

  1. Bakers Aussagen nach ist vielen Google-Mitarbeitern nicht bewusst, dass von Kollegen vorgeschlagene Bonuszahlungen abgelehnt werden können.
  2. Googles Personalchef Laszlo Bock hat in seinem Buch “Work Rules!” bekannt gegeben, dass “Top-Talente” überdurchschnittlich bezahlt würden, um sie halten zu können (mehr im Spiegel-Artikel zum Fall Erica Baker). Wer allerdings bei Google als “Top-Talent” gilt, ist unklar.

Nachträgliche Statements zu diesen Punkten schaffen zwar eventuell Klarheit, können verlorenes Vertrauen aber nur langsam wieder aufbauen. Sind die Leute erstmal skeptisch, werden sie nur schwer wieder vom Gegenteil überzeugt. Wichtig ist, dass Transparenz freiwillig geschaffen wird. Weiterhin wichtig ist, dass Google nun schnell reagiert und sich nicht in Schweigen hüllt.

Mitarbeiter als Transparenz-Treiber

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Wie am Beispiel von Erica Baker zu sehen ist, können nicht nur NGOs und Medien als Transparenz-Treiber fungieren. Auch die eigenen Mitarbeiter können bewusst oder unbewusst dazu beitragen, dass ein Unternehmen transparenter wird (beziehungsweise werden muss). Bevor der Extremfall eintritt und Mitarbeiter zu Whistleblowern werden ist es ratsam, jeden Beteiligten entsprechend zu informieren und auch intern Transparenz zu schaffen.

Wird Google nun offener über Kriterien für unterschiedliche Gehälter kommunizieren und auch die Mitarbeiter über gängige Verfahren umfassend informieren?

Franz Handermann

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5 Kommentare

  • Kathrin

    Ein spannendes und wichtiges Thema!

  • Carolin Seelow

    Google, genauso wie Facebook, ist für die meisten Menschen meiner Meinung nach ein riesiges, intransparentes Unternehmen, eine Art Imperium. Sätze wie “der hat mal irgendwas für Google gemacht” hört man oft, und niemand weiß, was genau die Aufgabe desjenigen war. Da muss meiner Meinung nach noch sehr viel getan werden!

  • Victoria

    Mehr Mitarbeiter sollten sich für Transparenz einsetzen. Interessanter Beitrag zu einem wichtigen Thema

  • Vanessa

    Gutes Thema! Ich finde auch, dass Google für viele in dem was es tut sehr unsichtbar ist. Dabei ist Google überall präsent und besitzt eine enorme Macht und Reichweite. Hier fehlt es ganz eindeutig an Transparenz.

  • Anna

    Danke für den Artikel!!! Das ist echt spannend. Google sind auch echte Menschen und manche mit Mumm, ich finde das motivierend!

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