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Illegaler Fischfang: Google und WWF als Big Brother auf den Ozeanen

10 Mrz 2015

Illegaler Fischfang ist ein Problem. Zunächst natürlich in ökologischer Hinsicht, da ganze Fischbestände an den Rand der Ausrottung getrieben werden. Daneben ist aber auch der wirtschaftliche Schaden enorm: So kommen laut WWF allein in der EU jährlich etwa 500.000 Tonnen illegal gefangener Fisch im Wert von 1,1 Milliarden Euro auf den Markt.

Dabei gibt es gerade in Europa eine umfangreiche Gesetzgebung, die genau dies verhindern soll. Allein: Die Ozeane sind groß, eine umfassende Überwachung der Fischerboote damit kaum möglich.

Google, Oceana und Skytruth: „If you can see it, you can change it“

Dies soll sich ändern. Der Internet-Riese Google ist zusammen mit den Non-Profit-Organisationen Oceana und Skytruth angetreten, illegalen Fischfang öffentlich sichtbar zu machen. Das „Global Fishing Watch“ getaufte Programm setzt dabei auf ein Funksystem, das unter anderem zur Vermeidung von Kollisionen schon seit einigen Jahren Vorschrift in der Schifffahrt ist. Das Automatic Identification System (AIS) übermittelt Informationen zu Position, Name, Geschwindigkeit oder Kurs von Schiffen. Die neue Online-Plattform möchte diese Daten dazu verwenden, die Fahrten der Fischer in Echtzeit sichtbar zu machen. Frei nach dem Motto „If you can see it, you can change it“ sollen Öffentlichkeit und Behörden zukünftig erkennen können, welches Schiff wann in geschützten Gebieten wildert.

Fische

WWF: Kein Pranger, lieber Lobbying

Der WWF, der unter dem Namen „Transparent Seas“ ein ähnliches Programm betreibt, ist, anders als Google, gegen die öffentliche Zurschaustellung von Schiffsnamen und Positionen. „Das kann wie ein Pranger wirken“, fürchtet der WWF-Meeresexperte Alfred Schumm in der Süddeutschen Zeitung. Das WWF-Programm greift ebenfalls auf die AIS-Daten zurück, veröffentlicht diese aber nicht. Die Organisation nutzt die Daten, um mit der Politik in Verhandlungen zu treten oder Fischfang-Flotten zu beraten und für nachhaltiges Handeln auszuzeichnen.

Big Data, false Data?

Beide Beispiele stehen stellvertretend für viele neue Transparenz-Treiber, die in den vergangenen Jahren entstanden sind – online und offline. Gerade im digitalen Bereich gibt es viele kreative, engagierte NGOs und Stakeholder, die auf Basis von Big Data-Schätzen Transparenz-Initiativen starten. Wichtige Voraussetzung ist dabei natürlich, dass die Daten korrekt sind.

Das gilt auch für die Überwachung der Meere: Die Daten, die das AIS-System übermittelt, könne man vergleichsweise einfach fälschen und so die Position des Schiffes verschleiern, sagt Ami Daniel, CEO der Meeresanalysten von Windward. Im Fall der kriminellen Fischer wird dies zunächst zu einem „Hase und Igel“-Spiel führen. Denn die Zahl der Schiffe, die dem System falsche Informationen übermitteln, ist stark gestiegen. Aber vielleicht finden WWF und Google auch dafür eine Lösung. Sebastian Lotz

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