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Lemonaid: Trinken für Hilfsprojekte

14 Jul 2015

„Trinkend die Welt verändern“ und „Trinken hilft!“ – das sind die vielversprechenden Slogans, mit denen die Lemonaid Beverages GmbH für ihre biozertifizierten Limonaden und Eistees wirbt. Dahinter steckt mehr als der allgegenwärtige Nachhaltigkeitstrend. Neben ökologisch angebauten Rohstoffen und fair bezahlten Arbeitern setzt das Unternehmen auf Entwicklungshilfe, die ankommt. Regelmäßig fliegen Mitarbeiter in die Anbauregionen der Rohstoffe für ihre Getränke, um sich vor Ort selbst ein Bild von den geförderten Projekten zu machen. So werden Lemonaid-Produkte und Entwicklungshilfe transparent.

Lemonaid: Trinken hilft

Ein „Saftladen“ aus Hamburg

Die Idee für das 2008 gegründete Unternehmen stammt von Paul Behtke. Nach seinem Wirtschaftsstudium arbeitete er bei der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) als Entwicklungshelfer und stellte fest, dass Spendengelder oft nicht dort ankommen, wo sie sollten. Daraus entstand die Grundidee für Lemonaid. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Jakob Berndt entwickelte er ein Produkt, dessen Zutaten nicht nur nachhaltig angebaut werden, sondern das vor allem Hilfe leistet: Lemonaid. Kurze Zeit später stieg auch Felix Langguth ein und nach anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten legte das kleine Startup aus Hamburg bald einen bemerkenswerten Aufstieg hin.

Zu den drei verschiedenen Sorten Limonade kamen vier Sorten Eistee. Produziert werden die Getränke in Deutschland, abgefüllt von einem Familienunternehmen in Bayern. Getrunken werden sie mittlerweile in halb Europa. Trotzdem setzt der „Saftladen“ aus Hamburg – wie sich Lemonaid selbst gern nennt – eher auf ein Wachstum mit Maß, damit der Grundgedanke des Unternehmens nicht in Gefahr gerät.

„Wir verlassen uns nicht auf internationale Gütesiegel“

Der Trend mit den biozertifizierten Getränken war 2008 nicht mehr neu. Bereits 1995 erschien Bionade auf dem Markt. Doch Bethke, Berndt und Langguth wollten noch weiter gehen. Neben Nachhaltigkeit liegt ihnen, so Berndt, vor allem Transparenz am Herzen:

 „Wir verlassen uns dabei nicht auf internationale Gütesiegel. Wir wollen wissen, wo unsere Ware herkommt. Wer sie erntet, anbaut und daran verdient. So reisen wir jedes Jahr einmal in die Anbauregionen, wo die Grundstoffe unserer Getränke, Tees und Limos entstehen.“

Lemonaid setzt dabei auf KleinbaueRohrzucker für Lemonaidrn- kooperativen. Die 30 Mitarbeiter machen sich von den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bauern selbst ein Bild. Wenn sie feststellen, dass die Prozesse nicht so fair sind wie sie sein sollten, kann es auch vorkommen, dass das Unternehmen zu einer anderen Kooperative wechselt. Das lässt sich dann auf der Website und dem Blog von Lemonaid nachvollziehen. Der Rohrzucker für die Limetten-Limonade zum Beispiel stammt von der Kooperative Asocace in Paraguay und die Maracujas für die Maracuja-Limo werden von der Kooperative Target Agriculture in Sri Lanka bezogen.

Entwicklungshilfe mit Transparenz – der Lemonaid & ChariTea Verein

Um dem wichtigsten Pfeiler ihres Unternehmens gerecht zu werden, schufen die Gründer 2010 den Lemonaid & ChariTea e.V. Mit jeder verkauften Flasche Lemonaid oder ChariTea fließt ein fester Betrag an den gemeinnützigen Verein zur Förderung fairen Handels und sozialer Gerechtigkeit. Fünf Cent pro Stück – egal ob die Lemonaid Beverages GmbH Gewinn macht oder nicht. So kamen allein im Jahr 2014 342.473 Euro zusammen, mit denen Entwicklungshilfeprojekte in den Anbaugebieten der Rohstoffe unterstützt werden.

Beispielsweise das Solaranlagen-Projekt für Suid Bokkeveld in Südafrika: Dort wird der Rooibos-Tee für den roten ChariTea angebaut. Während ein Großteil der Tee-Plantagen in Südafrika noch immer im Besitz weißer Großgrundbesitzer ist, bezieht Lemonaid seinen Tee von einer Kooperative aus 14 Kleinbauern, die zu der diskriminierten Bevölkerungsgruppe der „Coloureds“ gehören. Da Suid Bokkeveld nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen ist, hat der Verein aus Hamburg in Zusammenarbeit mit der NGO „Indigo Development & Change“ 2011 das Solaranlagen-Projekt ins Leben gerufen. Durch ein einfaches Solarsystem sollen sich die Farmer und ihre Familien künftig autark mit Energie versorgen können.

Solaranlagenprojekt

Auf der Vereins-Homepage werden Projekte und Aktionen detailliert dargestellt. Fact Sheets informieren über Kontext, Ziele und derzeitigen Status der einzelnen Hilfsprojekte sowie die Summe der bislang investierten Fördergelder.

Sozialer Konsum als Luxusgut?

Kritik an ihrem Konzept gab es für die drei Jungunternehmer aus Hamburg noch wenig. Das Wirtschaftsmagazin brand eins veröffentlichte in 2015 einen Artikel, der das Werben mit dem Guten Zweck infrage stellt. Autor Mischa Täubner warnt, dass vergleichsweise teure Produkte wie Lemonaid und ChariTea vor allem von Menschen gekauft würden, die sich mit dem ökologisch und sozial bewussten Konsum von anderen Verbrauchern abgrenzen wollen. Einem Unternehmen, das sich für eine bessere Welt einsetzen will, sollte aber daran gelegen sein, alle Menschen für den Guten Zweck zu gewinnen. Allerdings kommt Täubner zu dem Schluss, dass es keine Maßnahmen ohne unerwünschte Nebenfolgen geben könne.

Mehr als ein leeres Werbeversprechen

Und im Gegensatz zu manch anderen Unternehmen wirbt die Firma Lemonaid Beverages nicht nur mit dem Guten Zweck. Sie gilt in der Getränkebranche als Vorbild in Sachen Transparenz und Engagement. Mit seinen Limos und Eistees vermittelt das Unternehmen glaubhaft ein Bewusstsein für verantwortungsvollen Konsum. Um sich nicht allein auf Nachhaltigkeits-Siegel zu verlassen, fordern die Lemonaid-Mitarbeiter im engen Kontakt mit ihren Partnern selbst konsequent Transparenz ein. So wird Lemonaid dem eigenen Anspruch gerecht, auf nachvollziehbare Art Hilfe zu leisten. Malin Schadel

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4 Kommentare

  • Hendrikje Lyhs

    Ein tolles Projekt, das unterstütz werden sollte!
    Wo gibt’s Lemonaid zu kaufen? Gibt es Kooperationen mit bestimmten Händlern?

  • Carolin Seelow

    Sozialer Konsum als Luxusgut? Diese Kritik scheint mir extrem unangebracht. Jeder Versuch ist es wert und jeder Wille zählt, solange ein nobler Gedanke dahinter steht. “Guter” Konsum hat schon immer etwas mehr gekostet und war damit auch schon immer nicht jedermann zugänglich, der gute Gedanke dahinter stimmt aber. Dieses Unternehmen betreibt nicht nur Greenwashing, sondern wahre soziale Bemühungen, das ist bemerkenswert!

  • Rebecca

    Super Artikel und super Marke, werde in Zukunft auf jeden Fall darauf achten, wenn ich durch den Supermarkt laufe und das Getränk irgendwo sehe! :-)

  • Vanessa

    Ich kaufe Lemonaid vor allem in der Uni und es schmeckt echt gut. Toll, wenn man damit auch noch gute Projekte unterstützt!

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