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Marion Lieser, Oxfam Deutschland: „Wir setzen auf die kommunikativen Möglichkeiten des Internets” (2/3)

28 Nov 2012

Teil 2: Kampagnen und Maßnahmen

Es folgt die Fortsetzung unserer Interviewserie  mit Transparenztreibern. Im Gespräch: Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland.

Welche Rolle spielen Ihre rund 40 Shops in Deutschland für die Mobilisierung und für Kampagnen?
Die Erträge der Shops tragen maßgeblich zur Finanzierung von Oxfams Projekten und Kampagnen bei. Von daher ist der Kauf von Kleidung Büchern, DVDs etc. die größte Unterstützung, die wir von den Shops bekommen. Darüber hinaus beteiligen sich die 2.500 Ehrenamtlichen und die Kundinnen und Kunden engagiert an Unterschriftenaktionen zum Beispiel zur Nahrungsmittelspekulation oder an Spendenaktionen, wie im Fall der Hungersnot in Ostafrika 2011.

Inwiefern setzen Sie auf das Internet und Social Media, um für Ihre Anliegen Unterstützung zu mobilisieren?
Wir setzen sehr auf das Internet und seine kommunikativen Möglichkeiten. Wir haben eine sehr gute Homepage, die in der NGO-Szene besonders viele pfiffige und ungewöhnliche Aktionen und Mitmachelemente bietet. Wir pflegen unsere Auftritte bei Facebook und Twitter sorgfältig und können so zu bestimmten Anliegen Werte- und Interessengruppen gezielt ansprechen. Zu bestimmten Kampagnenthemen haben wir auch schon Flashmobs organisiert. Mit witzigen und originellen Filmen versuchen wir durchaus auch virales Marketing, wie jüngst zum Beispiel im Spot mit Heike Makatsch zur Finanztransaktionssteuer oder im Spot zur Nahrungsmittelspekulation „Mit Essen spielt man nicht!“. Dazu kommen E-Newsletter und sehr differenzierte Verteiler für die gezielte Ansprache. Wir nutzen dafür übrigens Civi-CRM – das Open-Source-Customer-Relationship-Tool der Zivilgesellschaft. Nicht zuletzt ist Oxfam Initiator und alljährlich Mitausrichter der re:campaign, einer Messe und Ideenbörse für Internet-Campaigning der Zivilgesellschaft.

Manche NGOs bewegen sich mit ihren Aktionen auch mal am Rande der Legalität oder verletzen demokratische Spielregeln. Wie steht es damit bei Oxfam?
Nein, das kommt bei Oxfam Deutschland nicht vor, was allerdings nicht heißt, dass unsere Aktionen nicht auch provokant sein können.

Bedienen Sie sich heutzutage anderer Kampagnenstrategien als noch vor 5 Jahren?
Ja, wir nutzen natürlich mehr das Internet und die Social Media als früher. Außerdem unterstützen wir mehr und mehr die politische Arbeit in den armen Ländern des Südens. Wir unterstützten die Zivilgesellschaft dort, ihre Stimme zu erheben und sie klar und deutlich zu artikulieren. So hat Oxfam zum Beispiel lokale Organisationen in Sambia dabei unterstützt, dass sie im Wahlkampf ihre Forderung nach einer besseren staatlichen Gesundheitsfürsorge wirksam vorbringen konnten. Das Ergebnis: Der gewählte Präsident hat das Gesundheitsbudget um 100 Mio. Euro aufgestockt und in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Kampagne erwähnt.

In einem Ranking der Pressestellen von NGOs im prmagazin lagen sie auf Nummer eins. Welche Ressourcen stehen Ihnen dafür zur Verfügung?
Das Ranking hat uns auch sehr gefreut – auch deshalb, weil unsere Pressestelle so klein ist. Wir haben eine Pressesprecherin, zwei Teilzeit-Mitarbeiterinnen, von denen eine noch unser Spender-Magazin „Oxfam aktuell“ erstellt, und eine Volontärin.

Die Fragen stellte Dr. Volker Klenk.

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