Piraten verändern CDU & Co. – und die Wirtschaft
Mit einem minimalistischen Themenset rund um Internet, Gleichheit, Teilhabe und ihrem lautstarkem Fokus auf Transparenz schaffte die Piratenpartei den Einzug in mehrere Landtage. Dies belegt die ungeheure Kraft des Schlagwortes Transparenz sowie die zumeist diffuse Sehnsucht von Millionen (Protest-)Wählern nach mehr Transparenz.

Wunsch nach mehr Transparenz auch in der Wirtschaft
Doch man hüte sich: Dieser Wunsch beschränkt sich keinesfalls auf die politische Arena, sondern erstreckt sich auf viele Lebensbereiche, insbesondere auf unternehmerisches Handeln.
Viele Vorstände negieren noch immer die in den vergangenen zehn Jahren gestiegenen Transparenzerwartungen ihrer Stakeholder. Das wird immer riskanter. Denn wegen des kometenhaften Aufstiegs der Piraten steigt der Druck auf die etablierten Parteien, ihre Handlungsfähigkeit in den neuen Themen zu beweisen. Mit ersten sichtbaren Folgen: In den neuen Koalitionsverträgen in Bundesländern, in denen die jungen Wilden als Oppositionspartei im Parlament sitzen, findet sich nun massenhaft das Wörtchen Transparenz.
Altparteien umarmen Transparenz
Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Altparteien dieses bisher sträflich vernachlässigte Themenfeld nicht den unkonventionellen Neulingen überlassen werden – schließlich bringt es offenbar Stimmen. So wie CDU, SPD und FDP die Ökothemen der Grünen vor 25 Jahren vereinnahmt haben werden sie es auch mit Transparenz machen. Schon fischen die ersten CDU oder FDP-Ortsverbände mit Stichworten wie „transparente Ortbeiratsitzung“ im Teich des neuen politischen Gegners.
Unternehmen dürfen nicht wegschauen
Selbst wenn sich die neuen, unkonventionellen Politakteure wegen ihrer eigenen Transparenz- und Strukturprobleme auf Dauer nicht in Parlamenten halten können, wird sich doch der Umgang mit ihren Themen auf Dauer ändern.
Unternehmen betrifft das mittelbar und unmittelbar: Da Parteien nicht nur reden, sondern auch Durchsetzungsfähigkeit beweisen müssen, wird die Regulierungslust und -wut der Gesetzgeber steigen. Die Forderung nach Offenlegung wird künftig noch häufiger in gesetzliche Transparenzpflichten münden.
Transparenz eignet sich für populistische Kampagnen
Wirtschaftsverbände und Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass immer mehr Politiker immer größeres Verständnis für Forderungen aufbringen, wonach die Firmen noch mehr offenlegen müssen. Die Themen eignen sich hervorragend für überzogene populistische Forderungen und Kampagnen im BILD-Stil. Wir werden mehr Politiker sehen, die das für sich nutzen.
Unternehmen müssen Position beziehen
Dort wo Unternehmen dies als dysfunktional oder wettbewerbsverzerrend einstufen, müssen sie ihre Interessen frühzeitig artikulieren und dafür eintreten – aber auch verantwortliches Handeln dokumentieren können.
Die gesetzgebenden Institutionen werden obendrein künftig stärker auf neue Transparenzgesetze in anderen Ländern achten. So regelt im US-Bundesstaat Kalifornien der „Transparency in Supply Chains Act“, dass Unternehmen auf ihrer Website erklären und belegen müssen, dass sie über die ganze Lieferkette hinweg zum Beispiel Kinderarbeit ausschließen. Das gilt bisher nur für Firmen über 100 Millionen Dollar Umsatz. Bisher. Dr. Volker Klenk
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