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Puma: Ökobilanz auf Heller und Pfennig

19 Dez 2013

Als erstes global agierendes Unternehmen legte Puma im Jahr 2011 eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung (Environmental Profit & Loss Account, kurz E P&L) vor. Der Sportartikelhersteller ging mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass das Unternehmenshandeln im Jahr 2010 Umweltschäden in Höhe von 145 Mio. Euro verursacht habe.

Indem er die Auswirkungen des Wasserverbrauchs und der CO2-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit monetären Werten auswies, setzte der Konzern neue Maßstäbe in der ökologischen Unternehmensberichterstattung. Der Sportartikler gab an, künftig die Zusammenarbeit mit Regierungen, Umweltschutzorganisationen und anderen Sportartikelfirmen suchen zu wollen, um ein Geschäftsmodell zu etablieren, das nicht gegen, sondern im Einklang mit der Natur arbeitet.

Freiwillige Transparenz setzt Wettbewerber unter Druck

Damit setzte die Nummer 3 am Weltmarkt den Wettbewerb massiv unter Druck – insbesondere auch durch die Aussage, dass der Großteil der angegebenen Umweltschäden von Zulieferern in Asien verursacht wurde, mit denen auch die Konkurrenz zusammenarbeitet. Zahlreiche positive Medienberichte begleiteten die Veröffentlichung der Ökobilanz. Beispielsweise titelte die Financial Times Deutschland seinerzeit: „Pumas saubere Idee“.

Neue Impulse für die Nachhaltigkeitskommunikation

Der Sportartikelhersteller, in Sachen Nachhaltigkeit vor allem angetrieben vom persönlichen Engagement des ehemaligen Managers Jochen Zeitz, hat mit dem Schritt, die negativen Kosten des Unternehmenshandelns transparent zu machen, einen deutlichen Impuls für die Nachhaltigkeits- und Transparenzdiskussion in Deutschland gesetzt. Solche Vorstöße von Unternehmen, die nicht auf die Entwicklung von neuen Standards warten, sondern Nachhaltigkeit und Transparenz aktiv und unternehmerisch voranbringen, sind wichtige Treiber für den breit angelegten Diskurs über die Weiterentwicklung von Reportingstandards und gesetzliche Transparenzpflichten. Professor Jochen Pampel, Head of Sustainability bei KPMG, erklärte in einem Interview hier auf der Website: „Transparenz zu schaffen, heißt eben auch den aktuellen Stand realistisch wiederzugeben. Genau das honoriert die interessierte Öffentlichkeit. Es ist überzeugender, Entwicklungspotenziale und bestehende Lücken aufzuzeigen und die geplanten Maßnahmen darzustellen, als oberflächlich zu behaupten, dass alles in Ordnung ist.“

Lieferanten in der Verantwortung

Puma hat Nachhaltigkeit nicht nur beim Agenda Setting und in der Unternehmenskommunikation zu einem Kernthema gemacht. Nachhaltigkeit wird im Unternehmen und an vielen Stellen der Wertschöpfungskette gelebt. 2010 vereinbarte der Konzern mit 20 Hauptlieferanten (unter anderem aus China, Vietnam und Kambodscha) die Erstellung von eigenen Nachhaltigkeitsberichten. Die beteiligten Lieferanten, die gemeinsam etwa zwei Drittel aller Puma-Produkte herstellen, werden durch GRI-geprüfte Trainingspartner geschult und auf das Verfassen eines eigenen Nachhaltigkeitsberichts vorbereitet.

Mit Hilfe der Berichte sollen Nachhaltigkeitsprobleme und bereits erzielte Fortschritte offengelegt werden, die in Audits nicht auffallen würden. 2011 wurden Verpackungen umgestellt. Ebenfalls 2011 veröffentlichte Puma gemeinsam mit anderen Sport- und Modeherstellern wie Adidas, C&A und Nike einen Maßnahmenplan, durch den die Freisetzung gefährlicher Chemikalien in die Umwelt bis 2020 unterbunden werden soll.

Kollektion nachhaltig erzeugter Produkte

Im Frühjahr 2013 stellte das Unternehmen dann eine Kollektion vor, die einen vollständig geschlossenen Produktlebenszyklus vorweisen kann. Schuhe, Taschen und Accessoires der InCycle Produktlinie sind laut Angaben des Unternehmens entweder vollständig biologisch abbaubar oder aber recycelbar. Zudem sind sie zu 100 Prozent „Cradle-to-Cradle“-zertifiziert.

 Puma Incycle Recyling Prozess

Puma Incycle Recyling Prozess

 

Ein kompostierbarer Schuh

Ein Schuh der Kollektion ist beispielsweise aus einer Mischung aus Bio-Baumwolle und -Leinen sowie einem biologisch abbaubaren Kunststoff gefertigt. Er kann dementsprechend nach seiner Nutzung vollständig kompostiert werden. Eine Trainingsjacke wird aus recyceltem Polyester hergestellt, das von gebrauchten PET-Flaschen stammt. Nach ihrer Nutzung kann sie wieder in Polyestergranulat umgewandelt werden, das als Sekundärrohstoff für weitere Produkte Verwendung findet. Um den Wiederverwertungsprozess zu unterstützen, hat Puma weltweit Recycling-Behälter in seinen Geschäften aufgestellt, in die die Kunden gebrauchte Produkte einwerfen können.

Mit der neuen Kollektion reagiert der Sportartikelhersteller eigenen Angaben zufolge auf die Ergebnisse der Ökobilanz aus dem Jahr 2010, die ergeben hatte, dass knapp 60 Prozent aller Umweltauswirkungen im Zusammenhang mit der Produktion von Rohstoffen wie Leder, Baumwolle und Gummi anfallen. Ziel sei es daher nun, den Anteil von Produkten aus nachhaltigeren Materialien kontinuierlich zu erhöhen.

Ehrgeizige Ziele formuliert

Auch darüber hinaus hat sich Puma ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2015 sollen der Wasser- und Energieverbrauch sowie die Abfallmenge an den weltweiten Standorten im Vergleich zu 2010 um ein Viertel gesenkt werden. Über seine Fortschritte im Hinblick auf Nachhaltigkeitsziele berichtet das Unternehmen jährlich – zuletzt im integrierten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2012. Kristin Lorenz

Transparenz bei Puma

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