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Starbucks: Transparenz im Kaffeebecher

15 Apr 2011

Unfaire Handelsbeziehungen, undurchsichtige Preisgestaltung, umweltschädigender Anbau. Die Kaffeebranche bietet nicht die einfachsten Voraussetzungen für einen Coffee-Shop-Riesen wie Starbucks, um als transparentes, nachhaltiges Unternehmen wahrgenommen zu werden. Allein die Produktion einer Tasse Kaffee verbraucht laut Focus 59 Gramm CO2. Mehr als doppelt so viel, wenn es sich hierbei um einen Coffee to go handelt, da beispielsweise die Zubereitung mit einem Vollautomaten und die Produktion der Pappbecher zusätzliche Emissionen verursachen. Trotzdem ist die Starbucks Coffee Company bereits seit vielen Jahren sichtbar um Transparenz bemüht, sowohl gegenüber ihren Konsumenten, als auch ihren Kaffeeproduzenten.

Doppelte Zertifizierung der Produkte
Diese Transparenz wird als erstes erzielt durch Zertifizierung. Schon seit etwa zehn Jahren arbeitet Starbucks mit der Fairtrade Labelling Organization International zusammen, dem Dachverband des deutschen TransFair e.V., die ihr Fairtrade-Siegel an Firmen vergibt, wenn die Produkte, aber auch die Teilnehmer der Lieferkette dieses Produktes bestimmte Standards erfüllen.

Mindestlöhne, Bio-Aufschlag, Fairtrade-Prämie
Diese umfassen den ökonomischen Bereich, wie zum Beispiel in Form von festen Mindestpreisen, einer Fairtrade-Prämie für Produzenten, sowie langfristigen Handelsbeziehungen. Ferner den ökologischen Bereich wie umweltschonenden Anbau, einen Bio-Aufschlag und Verbot von Gentechnik. Sowie den sozialen Bereich mit dem Verbot von Kinderarbeit, Diskriminierung und unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Die Einhaltung dieser Standards wird regelmäßig von dem unabhängigen Zertifizierungsunternehmen FLO-CERT kontrolliert.

Punktesystem für Handelspartner
Starbucks-Produkte tragen aber nicht nur das Fairtrade-Siegel, sondern werden auch von der eigenen Organisation Starbucks Shared Planet zertifiziert. Diese setzt sich nach eigenen Angaben für verantwortungsvollen Kaffee-Einkauf, Umweltschutz und die Gesellschaft ein. 2001 entwickelte das Kaffeeunternehmen gemeinsam mit verschiedenen Organisationen eigene Richtlinien für Farmer, Kaffeeverarbeiter und Exporteure, die so genannten C.A.F.E. Practices. Die Einführung der insgesamt 28 Indikatoren aus den fünf Gebieten Produktqualität, wirtschaftliche Verantwortlichkeit, soziale Verantwortung, ökologische Führungsrolle beim Kaffeeanbau und der Kaffeeverarbeitung, sollen die Produktauswahl und die Lieferketten von Starbucks transparent gestalten. Für jeden erfüllten Indikator gibt es Punkte, je mehr Punkte ein Handelspartner erreicht, desto bevorzugteren Kaufstatus, höhere Preise und bessere Vertragsbedingungen erhält dieser. Ähnliche Richtlinien, die ebenso von dem unabhängigen Auditor Scientific Certification Systems (SCS) kontrolliert werden, gibt es auch für den Kakaohandel des Unternehmens.

Handelsposition der Farmer wird gestärkt
Diese beiden Zertifizierungen schaffen in zweierlei Hinsicht Transparenz. Zum Einen für die Konsumenten, die mit Wahrnehmung des Siegels wissen, dass das Produkt allgemein bekannte und für jeden einsehbare Standards erfüllt. Zum Anderen für die Kaffeefarmer, die dadurch zu gleichberechtigten Handelspartnern mit gesicherter Existenz werden. Seit 2004 unterstützt Starbucks die Kleinbauern vor Ort auch durch die Eröffnung von Farmer Support Centern. Hier finden sie einen direkten Ansprechpartner bei Fragen und Problemen, sie erhalten Unterstützung bei der Einhaltung von Richtlinien und der Qualitätsverbesserung.

Aufwändiges Reporting
In seinem Global Responsibility Report, den das Unternehmen neben seinem Geschäftsbericht einmal jährlich veröffentlicht, legt Starbucks seine sozialen und ökologischen Maßnahmen und Ziele offen. Zum Beispiel für die Einsparungen von Wasser und Strom, die Umstellung auf recyclebare Becher oder das soziale Engagement der Mitarbeiter. Die Vorsätze sind konkret formuliert. Durch ihre zeitliche Festlegung sind sie zudem messbar und dadurch für interessierte Stakeholder gut zu überprüfen. Die Coffee-Shop-Kette dokumentiert auch das Nichteinhalten von Versprechen, beispielsweise den Rückgang der gemeinnützigen Arbeit von den Mitarbeitern des Unternehmens. Geplant war eine stetige Erhöhung der jährlichen Stundenzahl, jedoch gab es 2009 stattdessen einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Doch auch das wurde dokumentiert mit dem Vermerk, dass die Umsetzung dieses Versprechens noch aussteht.

Konsumentenorientierte Transparenzmaßnahmen
Die Unternehmenshomepage bündelt zahlreiche Transparenzmaßnahmen, vor allem für Konsumenten. Hierzu gehören die Starbucks Farmer Stories, Texte und Videos, in denen einzelne Kaffeefarmer und ihre Familien, die Anbauregionen, sowie die dort existierenden Probleme vorgestellt werden. Die Frage des Kunden „Woher kommt mein Kaffee?“ soll so beantwortet und Vertrauen in die Cafékette mit ihren Produkten hergestellt werden. Dem Unternehmen „ein Gesicht geben”, sollen auch die verschiedenen Berichte von Mitarbeitern in Form von Blogeinträgen oder Podcasts. Darin beschreiben diese ihre Reisen zu Farmen und möglichen neuen Anbaugebieten oder erzählen von ihrer Tätigkeit in der Firma. Neben diesen Informationen auf der Website hält Starbucks in seinen Filialen auch Broschüren über Produkte, Zertifizierungen und Partnerorganisationen bereit.

Dieser breite Ansatz zeigt, dass Starbucks schon früh die Bedeutung von Transparenz erkannt hat. Das Coffee-Shop-Unternehmen sichert sich so eine besonders herausragende Stellung im eher undurchsichtigen Kaffeehandel und -vertrieb. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet sie sogar als Schrittmacher im Bereich Nachhaltigkeit. Zwar zeigen andere Caféketten wachsendes Engagement, sie stehen allerdings oft noch eher am Anfang, wie die taz beschreibt. Doch selbst wenn die deutsche Konkurrenz immer mehr nachzieht, bleibt Starbucks, gemessen an Umfang und Umsetzung seiner Bemühungen, nach wie vor ein Vorbild für Transparenz am Kaffeemarkt. Marie-Sarah Bortz

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3 Kommentare

  • Bei Starbucks ist man schon seit Jahren bemüht, neben der Einführung immer neuer und schöner Produkte auch den Markennamen konsequent aufzubauen. Im Gegensatz zu anderen Coffee-Shops hat man bei Starbucks immer das Gefühl, dass Nachhaltigkeit und langfristiger Erfolg hinter dem Konzept stehen! Weiter so!

  • [...] die meisten Starbucksläden sind schön knuffig 1. Außerdem erlebe ich Starbucks Bemühungen um Transparenz, Fair-Trade, und Umweltschutz als halbwegs glaubwürdig 2. Und außerdem – und da kommen wir zum [...]

  • Das sind alles schon schöne und gute Entwicklungen. Worauf ich noch hoffe, ist das Starbucks eine Innovation für die unzähligen, Müllberge produzierenden To-Go-Becher findet. Denn leider sind die Becher zwar aus Pappe aber aufgrund ihrer Beschichtung nicht recyclebar. Und die schön gestalteten Thermo-Becher in die man sich immer wieder frischen Kaffee füllen lassen kann, ohne überflüssigen Müll zu produzieren werden leider kaum genutzt. Ein vollständig recyclebarer To-Go-Becher wäre die Lösung. Nur wie?

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