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Tchibo: Durchblick beim Kaffee?

10 Jul 2015

165 Liter Kaffee haben die Deutschen 2013 pro Kopf getrunken. Damit schlägt Kaffee Bier mit 107 Litern und Mineralwasser mit 140 Litern. Auch ich zähle mich zu den Liebhabern. Im Gegensatz zu Wasser und Bier, das meist aus Deutschland kommt, weiß ich jedoch recht wenig über den Kaffee, den ich täglich trinke.

Obwohl bei mir vor allem der Geschmack entscheidet, sind mir auch Qualität und Produktionsbedingungen wichtig – und damit bin ich nicht allein. Viele Deutsche folgen dem Trend zu nachhaltigen Produkten.

Mich interessiert vor allem, was sich über Produktionsbedingungen und fairen Handel herausfinden lässt. Wie transparent kann eine große Rösterei sein?  Exemplarisch schaue ich mir dafür Tchibo an.

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165 Liter Kaffee trinken die Deutschen pro Kopf im Jahr

 

Tchibo – viele Siegel und ein paar Sorten

Tchibo verkauft inzwischen fast alles. Da könnte der Kaffee fast zur Nebensache werden, könnte man glauben. Tatsächlich ist die Auswahl an Kaffeesorten noch relativ groß und auch neue Geschäftsfelder – wie etwa den Kapselkaffee – erschließt Tchibo.

Auf der Internetseite von Tchibo werde ich dann auch schnell fündig: Unter dem Reiter “Nachhaltigkeit” öffnet sich ein saftig grüner Regenwald mit lachenden Kindern im Hintergrund. Hier erfahre ich, dass in den Tchibo-Cafés seit 2009 nur Kaffee zum Einsatz kommt, der entweder mit Rainforest Alliance-Siegel oder mit dem Fairtrade-Siegel ausgestattet ist. Außerdem sind zertifizierte Sorten aufgelistet und Tchibo gibt an, dass 35% des verwendeten Kaffees in Nachhaltigkeitskonzepte einbezogen ist. Auch der beliebte Kapselkaffee soll zu 100% aus zertifiziertem Kaffee produziert werden. Auf welches Zertifikat  sich das bezieht, erfahre ich leider nicht.

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Vier Zertifikate: Fairtrade, Bio, Rainforest Alliance und UTZ

Tchibo arbeitet mit vier verschiedenen Zertifikaten, die sich in ihrem Ziel teilweise überschneiden. Positiv anzumerken ist jedoch, dass man zu jedem Siegel Informationen findet und diese anschaulich in einem Video erläutert werden.

Zudem gibt es zu jedem Siegel eine Kaffeesorte, die verlinkt ist. Außerdem positiv: Eine Erklärung zu den Kriterien für die Siegel gibt es auch:

Wer will, kann sich informieren, welches Siegel für was steht. Auf den ersten Blick jedoch offenbart sich ein Siegel-Dschungel, der durchdrungen werden will. Hierzu gibt Tchibo Anleitung. Wer jedoch mehr wissen will, muss die entsprechenden Seiten der Zertifizierer aufsuchen.

Kritisch anzumerken ist natürlich, dass bei der Beschreibung der Siegel durch Tchibo lediglich gesagt wird, was das einzelne Siegel unterstützt. Interessant ist jedoch auch, was es nicht unterstützt. So fielen Kaffees von Tchibo, die das Rainforest Alliance-Siegel tragen, bei Öko-Test in Sachen Fairness durch. Keine garantierten Mindestpreise waren der Grund dafür.

Mehr als nur Nische bei Tchibo

Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht könnte man sagen: Tchibo betreibt Produktdifferenzierung. Zertifizierter Kaffee wird für eine zahlungsbereite Käuferschicht angeboten und damit ein bestimmter Markt bedient. Das ist auch vollkommen legitim, schließlich muss Tchibo Geld verdienen. Jedoch will das Unternehmen zukünftig alle seine Kaffees aus nachhaltigen Quellen beziehen. Einen konkreten Zeitplan dafür konnte ich nicht finden und auch der Topseller “Feine Milde” ist sowohl in Sachen Nachhaltigkeit als auch  bei der Herkunft eher intransparent.

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Fazit: Ziele werden transparent gemacht

Viel wichtiger ist für mich jedoch: Tchibo setzt sich ein klares Ziel und macht dies transparent. Es liegt auf der Hand, dass ein so großer Kaffeeanbieter nicht von einem Tag auf den anderen nur noch nachhaltige Produkte anbieten kann. Was mir allerdings fehlt ist ein konkreter Zeitplan, in welchem die einzelnen Meilensteine aufgeführt sind.

Ein Anfang ist der online verfügbare Nachhaltigkeitsbericht. Nichtsdestotrotz muss jeder Konsument auch den kritischen Umgang mit Siegeln lernen: Auch hier sind die Richtlinien transparent. Nur einwandfrei umsetzen: Das ist die Kunst und das schafft Vertrauen. Durch seine Maßnahmen jedenfalls übt Tchibo auch Druck auf seine Konkurrenten aus und fördert damit Transparenz.

Robin Riemann

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Bilder:

 

Kaffeeautomat: Robin Riemann
Fairtrade-Siegel: http://www.fairtrade-deutschland.de/index.php
Bio-Siegel: https://www.oekolandbau.de/bio-siegel/
UTZ-Siegel: https://www.utzcertified.org/de
Rainforest-Alliance-Siegel: http://www.rainforest-alliance.org/de
Kaffee auf der Hand: Robin Riemann
Kaffeetasse: Robin Riemann

 

 

 

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