Stiftungen müssen raus aus der dunklen Ecke
„Stiftung“ – das klingt per se vertrauenserweckend. Doch das könnte sich bald ändern. Denn viele Stiftungen wirken im Dunkeln. Über ihr Tun ist zu wenig bekannt. Doch nobles Engagement im Dunkeln ist nicht mehr zeitgemäß. Viele Stiftungen können wegen ihrer intransparenten Strukturen und Mittelverwendung in Vertrauenskrisen stürzen wie
Unicef Deutschland Anfang 2008. Auch Stiftungen müssen im Glashaus-Zeitalter transparenter werden. Zu Recht kritisiert
Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die unzureichenden Publizitätsauflagen für Stiftungen in Deutschland.
Auf berechtige Fragen geben viele Stiftungen heute keine Antworten. Gibt es Interessenskonflikte zwischen Entscheidern bei der Mittelvergabe und den Empfängern? Dient die Mittelvergabe noch dem ursprünglichen Stiftungszweck? Nach welchen Kriterien werden Förderprojekte ausgewählt? Wird nachhaltig gewirtschaftet? Woher stammen die Spenden? Sind die Verwaltungskosten angemessen? Gibt es eine Strategie für die kommenden Jahre?
Stiftungen, die darüber keine Rechenschaft ablegen, verspielen Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Unsere Gesellschaft braucht aber aktive, vertrauenswürdige Stiftungen. Der Staat zieht sich aus immer mehr sozialen Bereichen zurück. Stiftungen können dieses Vakuum füllen. Zweifel an ihrem gemeinnützigen Handeln dürfen dabei nicht aufkommen. Die Stiftungen sind daher gefordert, durch freiwillige Selbstregulierung und verbindliche zeitgemäße Reportings einem drohenden Vertrauens- und Bedeutungsverlust entgegen zu wirken. Solche Reportings müssen nicht teuer sein. In vielen Fällen tut es ein webbasierter Jahresbericht. Dr. Volker Klenk
erstellt: 07.05.2010; geändert: 07.05.2010
Absturz
Der Korruptionsskandal bei Siemens steht einzigartig da im deutschen Geschäftsleben. Einzigartig allein schon wegen des Umfangs der Korruption. Einzigartig aber auch, weil hier eine Institution wankt, die mit ihrem Name lange für den Standort Deutschland gebürgt hat und deren Vorstandsvorsitzender Heinrich von Pierer persönlicher Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel war. Tiefer und rasanter ist ein Absturz kaum möglich. Gestern moralische Institution und Ratgeber auf höchster Ebene. Heute Gejagter und Angeklagter in einem Korruptionssumpf von bislang nicht gekanntem Ausmaß. Zwar ist kein Unternehmen vor krimineller Energie gefeit. Das Perfide am Beispiel Siemens aber ist, dass hier eben nicht Fehlverhalten Einzelner vorliegt, sondern die Korruption System hatte. Auch wenn die Gerichte das Korruptionssystem noch im Einzelnen ausleuchten müssen, steht doch der Verdacht im Raum, dass es bis auf höchster Ebene geduldet wurde.
Tiefer geht es für ein Unternehmen wie Siemens nicht. Was in dieser Situation hilft, sind schonungslose Offenheit, harte Sanktionen und geradlinige Kommunikation. Inwieweit es Nachfolger Löscher gelingt, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, wird sich zeigen müssen. Für eine Beurteilung des Schadens ist es noch zu früh. Sicher ist, dass wer einmal mit Begriffen wie „Korruption“ oder „schwarze Kassen“ in Berührung gekommen ist, lange mit diesen Begriffen assoziiert wird. Denn Zeitungsarchive haben ein gutes Gedächtnis. Und das Internet vergisst nie. Uwe Wache
erstellt: 31.07.2008; geändert: 03.06.2009
Höchststrafe für Peter Hartz
Der Ex-VW-Vorstand ist nach seinem Geständnis-Deal mit der Staatsanwaltschaft mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Aber sein Image ist ruiniert. Die Medienberichterstattung über ihn und sein Verhalten - das ist die Höchststrafe für jeden Manager. Die Medien haben ganze Arbeit geleistet. FOCUS hat den Skandal 2005 ans Licht gefördert und die Medienmeute (Axiom-Treiber!) hat ihn dann gerichtet. Beispiel gefällig aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 14.01.2006:
"Knapp zwei Millionen Euro soll Betriebsratschef Volkert aus den Konzernkassen kassiert haben, neben seinem regulären Gehalt. Zudem hat Hartz das System von Vertrauensspesen zweckentfremdet: Über Konto 1860 wurden Ferienclubs abgerechnet (vier Nächte 23 500 Euro), ein Sprachkurs für Volkerts Geliebte (8400 Euro in London), diverse Einkäufe beim Juwelier, für Geliebte wie für Ehefrauen. Immer zahlte die Kostenstelle 1860. Die Belege durfte niemand prüfen - außer Peter Hartz.
Ausgegeben hat das Geld ein Personalmanager namens Gebauer, der Lustreisen auf Firmenkosten organisiert hat. (“Gebauer, wo sind die Weiber?“) Er habe von Hartz den Auftrag gehabt, Volkert jeden Wunsch zu erfüllen, inklusive aller Bestellungen von Volkerts brasilianischer Geliebter. In den Jahren von 2000 bis 2004 hat diese - Adriana Barres - insgesamt 399 000 Euro für angebliche Dienstleistungen erhalten. Die Filme, die sie dafür gedreht haben will, hat im Konzern niemand gefunden.
„Ich bin nicht gescheitert“, sagt Peter Hartz heute. Er hat sich nichts vorzuwerfen. Er ist der gute Mensch von St. Ingbert geblieben. Das ist zugleich naiv, ehrlich und eitel bis zum Überschießen. Die Fährte, wonach durch die Rotlicht-Affäre der Mr. Jekyll hinter Mr. Hartz sichtbar geworden sei, eine Fratze hinter der Maske, führt in die falsche Richtung. Hartz hat sich nie maskiert. Es gibt gar kein Gesicht hinter der Maske. Und er hat sich dieses maskierte Äußere selbst immer abgenommen. Deshalb hat ihn der Absturz so verstört. Deshalb der unbändige Drang zur Rechtfertigung.
Der Träumer Peter Hartz hat das immer geglaubt. Jetzt zahlt er vor Gericht: mit Peinlichkeit (über Rotlicht will er nicht reden), mit Statusverlust (aus dem Erlöser wurde ein Frührentner), mit Einkommenseinbußen (ohne Abfindung haben sie ihn vom Fabrikhof gejagt) und mit dem Stigma des Kriminellen."
Ist das nicht Höchststrafe? Ich muss in solchen Fällen immer an meinen Professor für Wirtschaftsrecht denken an der Fachhochschule für Druck in Stuttgart (heute Hochschule der Medien). Der warnte uns damals eindringlich davor, kriminelle Dinge zu drehen in unserem späteren Berufsleben. Zwar sei es vielfach leicht, und leider sei die Dunkelziffer in der Wirtschaftskriminalität hoch, aber wenn man erwischt werde, ist in der Regel die Karriere futsch und nur allzu oft habe er erlebt, dass die vorher so erfolgreichen Manager daran zerbrechen.
Sein Rat von damals ist heute auch mein Rat. Die Versuchung mag groß sein, das Risiko klein: dennoch - nicht machen! Denn jedes unternehmerische Handeln ist öffentlich! Dr. Volker Klenk
erstellt: 08.11.2007; geändert: 03.06.2009
Transparent vs geheim
In Unternehmen müssen bestimmte Themen, Fakten, Pläne, Prozesse geheim sein. Manches davon für immer. Andere Themen werden intern in kleinen Gruppen oder auch nur von Einzelnen vorangetrieben, um früher oder später kommuniziert zu werden: beabsichtigt, gezielt, geplant, strukturiert, umfassend. Das muss man einfach mal konstatieren. Denn zu häufig wird populistisch einfach gefordert, Unternehmen müssten "total transparent sein". Das ist Unfug. Kein Unternehmen, keine Organisation kann das auf Dauer leisten, oder gar versprechen.
Problem für viele: "Geheim heißt irgendwie nichts Gutes", wie das der Chefredakteur des PR Reports in einem lesenswerten Artikel mit der Überschrift "Geheimnis" im April 2006 geschrieben hat. Doch sind wir mal ehrlich: Vertrauliches immer gleich zu setzen mit Verzerrung oder Täuschung ist unfair - ja schlicht falsch!
Entscheidend ist vielmehr: Die agierenden Personen in Unternehmen müssen sich stets bewußt sein, welche vertraulichen Prozesse sie wann und wie, wem gegenüber öffentlich machen. Ohne die Hilfe der professionellen Kommunikatoren im Unternehmen passieren dabei häufiger Fehler als mit. Dr. Volker Klenk
erstellt: 07.11.2007; geändert: 03.06.2009
Ist die ARD ein Glashaus?
Die vierte Gewalt, die Medien, sind die wichtigsten Treiber für das Glashaus-Axiom. Ohne kritische, unabhängige Medien ist alles nichts. Wir brauchen sie, wenn unsere Gesellschaft sich weiter- und nicht zurückentwickeln soll. Dazu ist es von höchster Bedeutung, dass die meinungsbildenden, seriösen Medien ihre Glaubwürdigkeit durch ethisch korrektes Verhalten weiter stärken. Transparenz gehört dabei unverzichtbar dazu.
Ist die ARD ein Glashaus? Sie wollte mal eines sein: Von 1972 bis 1979 lief das medienkritische Magazin "Glashaus - TV intern" mit dem Anspruch, kritisch hinter die Kulissen des eigenen Betriebs zu schauen – immerhin kein normaler Betrieb, sondern ein öffentlich-rechtliches Anstaltswesen.
Doch wo ist sie geblieben, die Sendung mit dem programmatischen Titel? Die Macher dieser Sendung (vom WDR) galten damals manchen in der ARD als "Nestbeschmutzer". Öffentlich wurde von anderen ARD-Machern gepoltert: "Glashaus ist das Instrument einer Fraktion im programminternen Bürgerkrieg, und die Gegenpartei ist machtlos." Das zeigt, dass dieser Versuch der Transparenz und Offenheit scheitern musste. Wirklich? Man könnte auch sagen: Nie wäre ein solcher Sendeplatz wichtiger als heute. Dr. Volker Klenk
erstellt: 15.10.2007; geändert: 03.06.2009
Wechselsperre für Vorstände kommt
Die Blattmacher von FAZ, Handelsblatt und FTD waren sich am 12. Dezember 2006 einig. Denn alle drei brachten an diesem Tag dieselbe Story als Aufmacher (die FAZ im Wirtschaftsteil): Die Große Koalition diskutierte nach dem Versagen der Kontrollpraxis bei Volkswagen und Siemens eine neue gesetzliche Regelung, die dem Vorstand eines Unternehmens den direkten Wechsel in den Aufsichtsrat künftig untersagen soll.
Auf Initiative des Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder (Foto) sollen die Fraktionen nach dem Jahreswechsel eine solche Regelung erarbeiten, hieß es. Der genaue Inhalt der Bestimmung sei indes noch ungewiß. So ist noch nicht ausgemacht, ob ein solcher unmittelbarer Wechsel vom Vorstand in das Aufsichtsgremium nur dem Vorstandsvorsitzenden oder allen Vorstandsmitgliedern verboten sein soll.
Grund für die Überlegungen: Es gibt immer wieder Probleme mit Vorständen, die in späten Jahren ihres Berufslebens den Aufsichtsratsvorsitz im selben Unternehmen übernehmen. Sie "kontrollieren" dann ihre eigenen Entscheidungen, die sie vor Jahren getroffen haben. Die Große Koalition möchte das ändern - per Gesetz. Viele Politiker sind der Ansicht, dass die freiwillige Selbstregulierung der Wirtschaft, festgehalten in den Corporate-Governance-Regeln der Cromme-Kommission hier nicht funktioniert. Die Cromme-Kommission empfiehlt, dass der Aufsichtsratsvorsitzende von außen kommt, aber die wenigsten Unternehmen halten sich daran.
Das Pikante dazu steht u.a. in der FTD: "Bei 14 der 30 Dax-Konzerne führt heute ein Ex-Vorstandschef den Aufsichtsrat. Selbst der Vorsitzende der Corporate-Governance-Kommission, Gerhard Cromme, war vor seinem Wechsel auf den Aufsichtsratsvorsitz Vorstandschef bei ThyssenKrupp."
Ich bin sicher: die "Wechselsperre", wie es die FTD nennt, für Ex-Vorstände kommt. Es ist nur eine Frage der Zeit. Zu viele kritische Stakeholder werden ihren Forderungen weiter aufrechterhalten und in ihrem Druck nicht nachlassen. Kluge Unternehmen tun bei bei diesem Thema deshalb proaktiv das Richtige. Und wenden damit Schaden vom Unternehmen ab. Dr. Volker Klenk
erstellt: 15.10.2007; geändert: 03.11.2009