Für die
Public Eye Awards verbinden sich gleich zwei Axiom-Treiber: Die beiden NGOs
Pro Natur und Erklärung von Bern. Die Naturschutz- und die Entwicklungsorganisation verliehen am 23. Januar 2008 in Davos zum achten Mal ihre Schmähpreise. Ihr Anliegen: Besonders unverantwortliches Verhalten von Unternehmen aufdecken und öffentlich an den Pranger stellen. Die „übelsten“ Unternehmen erhalten die Negativpreise Global Award und Swiss Award. Mit ihrer Veranstaltung wollen sie vor Ort einen kritischen Kontrapunkt zum jährlich stattfindenden World Economic Forum (WEF) in Davos setzen.
Aus einer Reihe von drei Dutzend nominierten Unternehmen, unter ihnen der Saatguthersteller Bayer Crop Science, der Bananenproduzent Dole und Exxon Mobil wählte eine Fachjury 2008 den französischen Nuklearkonzern Areva und den Schweizer Rohstoffmulti Glencore aus. Areva wurde außerdem zum Träger des Public Eye People's Award auserkoren: Der Konzern erhielt während eines zweiwöchigen Online-Votings, bei dem laut Veranstalter 12.000 Menschen teilnahmen, die meisten Stimmen.
Beide Konzerne finden sich nun in der „Hall of Shame“ ein.
Die Begründung für die Wahl der diesjährigen Preisträger: Areva betreibe im Norden Nigers zwei Uranminen auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten. Arbeitern, die an Krebs erkrankt seien, werde gesagt, sie seien HIV-positiv, um die wahre Ursache der Verstrahlung zu vertuschen. Der Konzern erhielt hierfür den Global Award. Der Swiss Award ging an den Rohstoffmulti Glencore wegen seiner angeblich ausbeuterischen Praktiken und der Verletzung elementarer Arbeitsrechte in seinen kolumbianischen Kohleminen.
Mit ihrem Negativpreis wollen die Veranstalter zeigen, dass menschen- und umweltverachtende Geschäftspraktiken Konsequenzen haben – für die Betroffenen, aber auch für das Firmenimage. Seit 2005 finden sich in der „Hall of Shame“ der Awards Konzerne wie Walmart, Walt Disney, Bridgestone oder Novartis. Zum zweiten Mal wurde in Davos zudem der Public Eye Positive Award verliehen, der besonders vorbildliches Verhalten auszeichnet. In diesem Jahr wurde der deutsche Ökoversand Hess Natur für sein gemeinsam mit der Entwicklungs-Organisation Helvetas durchgeführtes Baumwollprojekt in Burkina Faso ausgezeichnet.
Kristin Hutzler