


Im November 2006 schlugen dem Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) hohe Wellen der Entrüstung entgegen. Der Vorwurf damals: Massenhafte Täuschung von Bundestagsabgeordneten durch gefälschte Briefe. Exemplarisch dazu ein Zitat aus dem Handelsblatt vom 31.10.2006:
"Die Bundesregierung schäumt: Mit miesen Tricks versuchen die privaten Kassen nach Ansicht von Schwarz-Rot, ihre Versicherten gegen die Gesundheitsreform aufzubringen. Von „gezielter Desinformation" und „Unterschriftenfälschung" ist die Rede."
Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) hat diesen Fall untersucht und kam Ende November zu einem ganz anderen Ergebnis: Freispruch. Bei über 100.000 Briefen seien nur 3 oder 4 Briefe gefälscht worden. Verantwortlich dafür seien vermutlich einzelne Verbandsmitarbeiter gewesen. Die Annahme einer systematischen Täuschung durch den Verband sei daher unbegründet. Die ausführliche Begründung steht in einer Pressemitteilung des Rates vom 13.11.2006. Im Internet sind keine Medien und Medienberichte zu finden, die die Inhalte der Pressemitteilung des honorigen PR-Rates aufgegriffen haben. Was lernen wir daraus? Wie so oft interessieren sich die Medien sofort für einen vermeintlichen Skandal und treten diesen breit. Sie finden auch immer Lautsprecher, die den "Skandal" kommentieren und Öl ins Feuer gießen. Die Wahrheit interessiert Wochen später kaum noch. Journalisten müssten dann ja berichten, dass sie voreilig berichtet haben.
In diesem Fall hat sicher eine wichtige Rolle gespielt, dass man der PKV zugetraut hat, dass sie massenhaft Briefe fälscht. Weil es im Gesundheitssystem eben unglaublich viele schwarze Schafe gibt und es um viel Geld geht. Einem solchen Misstrauen können solche Akteure nur durch laufende, nachprüfbare Tranzparenz-Maßnahmen begegnen. Dr. Volker Klenk
