Netzwerk Recherche

Axiom-Treiber können sich auch zusammenschließen, um ein Ziel zu erreichen wie die 2001 von einigen renommierten Journalisten gegründete Vereinigung Netzwerk Recherche. Sie verstehen sich als Lobby für den Recherche-Journalismus, mit dem Ziel Transparenz zu schaffen. Denn investigativ, enthüllend und exklusiv möchte jeder Journalist sein, doch der tägliche Spagat zwischen Qualität und Quote bzw. Auflage gelingt nicht immer.
 
Die Gründer des Netzwerks Recherche – unter ihnen Dr. Thomas Leif, Chefreporter Fernsehen beim Südwestrundfunk und Vorsitzender des Netzwerks, Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung), Georg Mascolo (Der Spiegel), Kuno Haberbusch (NDR) und der TV-Journalist Christoph Maria Fröhder – verfolgten mit dem Aufbau des Vereins zwei wichtige Ziele: Mit seinen rund 230 Mitgliedern engagiert sich das Netzwerk besonders in der Aus- und Weiterbildung von Journalisten und unterstützt finanziell interessante Projekte, die langwieriges Nachforschen erfordern. Getreu dem Motto „Ohne Geld und Zeit werden viele Themen nie recherchiert“ greift das Netzwerk besonders hartnäckigen und fleißigen Journalisten je nach Aufwand der Recherche mit 2.500 bis 3.500 Euro unter die Arme. 2004 erhielt die Journalistin Anja Einfeldt das Recherche-Stipendium für ihr Thema zur Gesundheitsreform. Ihr Artikel „Operation Positivliste – wie die Pharmalobby eine Reformidee stoppte“ konnte mit Hilfe des Netzwerks im Februar 2004 in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht werden.
 
Außerdem vergibt das Netzwerk jährlich die „Verschlossene Auster“ – Negativpreis für Auskunftsverweigerer in Wirtschaft und Politik. 2003 ging der Preis an den „Informationsblockierer Aldi“. Der für seine intransparente Kommunikation gescholtene Konzern drohte den Journalisten bei kritischer Berichterstattung sofort mit juristischen Schritten. 2006 wurde ein weiteres Unternehmen für seine restriktive Informationspolitik an den Pranger gestellt: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn Hartmut Mehdorn erhielt die „Verschlossene Auster“, weil er zu heiklen Themen oft keine Stellung beziehe.
 
Besonders außergewöhnliche Recherchen, die von großem öffentlichem Interesse sind, werden vom Netzwerk Recherche mit dem Medienpreis „Leuchtturm“ ausgezeichnet. So erhielten 2005 zwei WDR Journalisten den Preis für ihre Dokumentation „Milliarden-Monopoly – Die verschwiegenen Geschäfte der Oppenheim-Esch-Holding“, die am 4.7.2005 in der WDR-Reihe „Die Story“ gezeigt wurden. Den Autoren ist es gelungen, die Mauer des Schweigens im Kölner Korruptions-Kartell einzureißen und die Strippenzieher zu enttarnen. Sie haben damit bewiesen, wie wichtig und wirksam kritischer Wirtschaftsjournalismus ist. Imane El Alaoui
 

erstellt: 28.04.2008; geändert: 03.06.2009