Paragraf 6 unterzeichnen reicht nicht

Transparente Unternehmenskommunikation ist als Paragraf 6 im Deutschen Corporate Governance Kodex verankert. Transparent wird dadurch noch kein Unternehmen wie das Beispiel Siemens zeigt. Die ehemalige deutsche Industrie-Ikone hat auf der einen Seite den Entsprechungsantrag des Kodex unterzeichnet und kämpft auf der anderen Seite mit dem größten Schmiergeldskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Viele weitere Beispiele deutscher Unternehmen zeigen, dass es mit Paragraf 6 bei weitem nicht getan ist. Das richtige Dokument für Transparenz ist vielmehr das Unternehmensleitbild und hier die Werte. Dort muss Transparenz verankert sein, dann wird sie gelebt und dann kann ein Unternehmen seine Transparenzprozesse nachhaltig erfolgreich steuern.

Zu einem Leitbild gehören üblicherweise Unternehmensziel, Unternehmenszweck sowie der Wertekanon. Im Idealfall basiert dieses Leitbild auf einer ausführlichen Befragung aller Mitarbeiter und wird gemeinsam mit Angestellten aus allen Bereichen und Hierarchien erarbeitet. Diese Werte definieren die Kultur, das Verhalten und den Umgang eines Unternehmens mit seinen internen und externen Anspruchsgruppen. Untersuchungen zeigen: Werte schaffen Wert. Denn gelebte Werte haben starken Einfluss auf das Verhalten von Mitarbeitern, sie motivieren, sie dienen der Orientierung und Stabilisierung und sie geben den Ausschlag bei Entscheidungen und Konflikten.

Wer Transparenz wertschätzt, ist erfolgreicher
Damit Transparenz als Wert aber nicht nur in einem Dokument steht, sondern im Unternehmensalltag gelebt wird, müssen Führungskräfte diesen Wert wertschätzen. Denn nur die Werte, denen Wertschätzung entgegengebracht wird, haben Einfluss auf das Verhalten von Mitarbeitern. Dazu gehört auch, dass Verstöße gegen Werte wie Transparenz angesprochen und gegebenenfalls sanktioniert werden. Denn wenn es um unternehmerischen Erfolg geht, dann geht es um Reputation und Vertrauen. Und Vertrauen in ein Unternehmen und seine Produkte und Dienstleistungen entsteht aus Verlässlichkeit, Integrität und aus: Transparenz. Dann ist Paragraf 6 auch gar nicht mehr so entscheidend. Daniel J. Hanke

erstellt: 08.07.2008; geändert: 03.06.2009