Schutzgemeinschaften der Kleinanleger: Die Robin-Hoods der Aktionäre

Zu wichtigen Transparenz-Treibern gehören Aktionärsvereinigungen. Sie nehmen die Rechte vieler Aktionäre gebündelt war und vertreten deren Interessen auf den verschiedensten Hauptversammlungen. Für Kleinanleger stellen sie oft die einzige Möglichkeit dar, ihre Interessen zu artikulieren und durchzusetzen. In Deutschland sind die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. (SdK) die zwei bekanntesten. Sie verfolgen beide ein gemeinsames Ziel: Sie fordern mehr Transparenz von Unternehmen. Sind diese nicht bereit, diese herzustellen, organisieren sie Sammelklagen oder erstellen und veröffentlichen eigene Studien. Diese wiederum werden von den Medien aufgegriffen, dort erörtert und können dann zu einem Kursverlust der Aktien führen.

Die DSW, 1947 gegründet, ist mit ihren rund 25.000 Mitgliedern die größte Aktionärsvereinigung. Die Mitgliedschaft kostet 95 Euro im Jahr und enthält ein Abonnement des Anlegermagazins "Wertpapier - Das Börsenjournal". Die Homepage des Vereins bietet Tipps und Warnungen der DSW-Berater. Diese besuchen jährlich insgesamt bis zu 800 Hauptversammlungen, bei denen sie Fragen und Anträge stellen. Zusätzlich veröffentlichen sie Studien, verfassen offene Briefe oder vermitteln US-Sammelklagen.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger geht ganz ähnlich vor. Auch auf ihrer Seite findet man Links zu Sammelklagen, Expertentipps oder Hauptversammlungstermine. Außerdem bringt sie jedes Jahr das so genannte Schwarzbuch der Börse heraus. Dabei benennt der Verein die größten Pleiten und Skandale in der deutschen und europäischen Börsenwelt. Den Preis „IPO-Zitrone“, den die SdK im Rahmen dabei für besonders misslungene Börsengänge vergibt, erhielt für das Jahr 2007 die Deutsche Bank. Sie enttäuschte mit den Börsengängen Alstria Office, Versatel, Wacker und Tognum. Das Jahr davor wurde die Investmentbank Equinet für drei verunglückte Börsengänge mit der „IPO-Zitrone 2006“ ausgezeichnet. Durch den anschließenden Börsenanstieg wurde sie 2007 wiederum mit dem Gegenstück „IPO-Melone“, für besonders positive Börsenentwicklungen, ausgezeichnet. Die Preise, wie auch das Buch finden in den Finanzmedien große Resonanz.

Die Presse ist allerdings nicht immer auf Seite der Schutzgemeinschaften. Für Kritiker stehen vor allem die möglichen Interessenkonflikte der Aktionärsvertreter im Fokus. „Das Dilemma ist, dass man allein mit Anlegerschutz kein Geld verdienen kann. Fast alle Aktionärsschützer arbeiten ehrenamtlich, die Mitgliedsbeiträge reichen bei weitem nicht, die Kosten zu decken“, so der Spiegel. Oft nehmen die Vertreter Aufsichtratsmandate in großen Unternehmen wahr und finanzieren den Verband durch Spenden. Dabei liegt es nahe, dass ihnen das  Verfolgen von Eigeninteressen oder allzu große Nähe zu jenen Firmen vorgeworfen wird. Trotzdem zählen sie, durch die Möglichkeit Druck auf Konzerne ausüben zu können, auch zukünftig zu den ernst zu nehmenden Tranzparenz-Treibern. Silja Bellinger


erstellt: 12.07.2009; geändert: 12.07.2009