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Transparency International: Die helfende Hand

5 Sep 2011

Seit 1993 kämpft die NGO Transparency International (TI) gegen Korruption in allen Lebensbereichen – mit den von ihr kontrollierten Akteuren, nicht gegen sie. Mit inzwischen 70 Ländersektionen ist sie zur größten Antikorruptionsorganisation der Welt aufgestiegen. Die besondere Art, die Probleme anzugehen, wird auch kritisiert.

Handschlag „Transparency International ist ein Unternehmen, das von großen Korrupten auf die Beine gestellt wurde, das heißt alle großen multinationalen Unternehmen der Welt stecken da mit drin […] – das ist so, als ob man dem Fuchs die Aufsicht über einen Hühnerstall übertragen würde und ihn darum bittet, systematisch die Mäuse zu denunzieren, die die Maiskörner der Hühner knabbern“, so der französische Journalist Christian de Brie über TI in der Arte Dokumentation „Weiße Westen, schwarze Konten“ im Jahr 2003.

TI schmiedet Koalitionen gegen Korruption
Tatsächlich arbeitet TI eng mit Unternehmen zusammen. Auf ihrer deutschen Homepage erklärt die Organisation: „Transparency Deutschland bekennt sich zu Transparenz und Verantwortlichkeit (accountability) als Grundprinzipien und arbeitet in engem Verbund mit anderen Kräften der Gesellschaft, die das gleiche Ziel verfolgen. Koalitionen mit veränderungswilligen Vertretern von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind daher zentraler Teil der Strategie.“

Berater für Unternehmen
Kooperation statt Konfrontation lautet bei TI die Devise. Indem man das Problem von der Wurzel aus bekämpft und Alternativen aufzeigt, sollen effektiv und langfristig intransparente und kriminelle Strukturen verhindert werden. So unterstützt die Organisation ihre korporativen Mitglieder vielseitig bei der Bekämpfung von Korruption durch mehr Transparenz. Dabei fungiert TI nicht nur als Kontrollorgan, sondern auch als Berater: Das Angebot umfasst neben Beratungsgesprächen und Kongressen, auch Checklisten, Informationsblätter und Trainingsmodule.

Dem zu Grunde liegt die Annahme, dass ein Unternehmen, welches selbst integer arbeiten will, konkretes Interesse daran hat, dass Korruption international erschwert und behindert wird. Um dadurch selbst besser dastehen zu können. Die Aufnahmekriterien sind nicht streng. TI verlangt von potentiellen Mitgliedern lediglich eine Selbstverpflichtungserklärung gegen Korruption in ihrem Unternehmen. Danach unterliegen die Mitglieder ausschließlich der Selbstkontrolle.

Finanzierung auch durch die Wirtschaft
Über ein Drittel der Gesamteinnahmen stammen von Beiträgen und Spenden der korporativen Mitglieder, die teilweise selbst in der Vergangenheit unter Korruptionsverdachte standen. „Wenn man so viel Geld aus der Privatwirtschaft erhält, besteht die Gefahr, Unternehmen schonend zu behandeln“, meint Hans See, Gründer der Konkurrenzorganisation Business Crime Control. TI geht auf ihrer Homepage konkret auf derartige Vorwürfe ein. Um Unabhängigkeit zu gewährleisten, würde kein Konzern mehr als fünf Prozent der Jahreseinnahme beisteuern. Desweiteren existieren ausreichend finanzielle Rücklagen, die bei einem gleichzeitigen Ausscheiden aller korporativen Mitglieder die Arbeit der Organisation für ein weiteres Jahr gewährleisten könnte.

Bei korporativen Mitgliedern, die in einen Korruptionsskandal verwickelt sind, wird zunächst die Mitgliedschaft gesperrt. Manchmal kommt es auch zum Ausschluss, so geschehen im Falle Siemens. Darüber hinaus stellt der Gründer Peter Eigen klar: „Man muss versuchen, eine Koalition zwischen denen herzustellen, die gegen Korruption sind. Dass die nicht alle Engel sind, ist klar.“

Transparency ist selbst transparent
TI Deutschland bemüht sich um größtmögliche Transparenz des eigenen Vereins. Alle Dokumente, Finanzierungsmodelle, Projekte und Mitglieder sind auf der Homepage und im Jahresbericht einsehbar. Auch die Schulungsunterlagen sind dort zu finden. Laura Wessely

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