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Transparenz von Medienunternehmen: Was Große von Kleinen lernen können

9 Jun 2015

Die Medien sind einer der wichtigsten und präsentesten Transparenz-Treiber in unserer Gesellschaft. Durch Medien vermittelte Forderungen nach mehr Transparenz verschiedenster Akteure sind mittlerweile Alltag. Doch auch Medienunternehmen geraten immer wieder, beispielsweise in Bezug auf das Thema “Finanzen”, in die öffentliche Kritik und werden zu mehr Transparenz aufgefordert. Wie dies von einzelnen Medienunternehmen gehandhabt wird, will ich nachfolgend stichprobenartig an drei Beispielen zeigen.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen

Sendung mit der Maus

Maus und Elefant aus der “Sendung mit der Maus”. Die Sendung läuft auf KiKa, dem Gemeinschaftskanal von ARD und ZDF.

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF finanzieren sich seit deren Gründung zum größten Teil durch regelmäßige Abgaben der deutschen Bürger. Da ist es nur logisch, dass wir wissen wollen, was mit unserem Geld passiert. Die beiden Sender stellen dazu Informationen auf ihren Websites zur Verfügung. Beim ZDF ist die “Transparenz-Abteilung” am Ende der Seite, unten rechts mit einem Klick erreichbar. Was es mit dem Rundfunkbeitrag auf sich hat, erfahre ich mit einem weiteren Klick auf “Regeln und Finanzen”.

Interne Informationen zur ARD findet man auf deren Seite oben rechts. Hier genügt ebenfalls ein Klick für den groben Überblick. Die Erläuterungen zum Rundfunkbeitrag verstecken sich dann aber hinter drei weiteren Dropdown-Menüpunkten.

Grundsätzlich sehe ich bei beiden Sendern auf den ersten Blick beispielsweise Informationen zu

  • Aufbau des Unternehmens
  • Finanzierung und Einsatz der erhaltenen Mittel
  • Gremienarbeit
  • Programmangebot
  • Ansprechpartner

Was mir allerdings fehlt, sind Angaben zu den Nebeneinkünften der Medienschaffenden. Dieses Thema wird schon lange öffentlich diskutiert und das, meiner Meinung nach, zu Recht. Wenn jemand Aktiennachrichten präsentiert, nebenbei aber bezahlte Vorträge bei börsennotierten Unternehmen hält, besteht da für mich ein Interessenkonflikt. Natürlich ist es utopisch, die Nebeneinkünfte aller 30.000+ Mitarbeiter der Öffentlich-Rechtlichen offen legen zu wollen. Man könnte aber doch bei der “Prominenz” anfangen.

Die Traditionszeitung

In der Gründungszeit wurde der Zeitungsname mit “Zeitung für Deutschland” untertitelt.

Der Online-Auftritt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ.net ist mit mehr als fünf Millionen Unique Usern im März 2015 (AGOF internet facts 2015 03) unter den 40 reichweitenstärksten deutschen Internetauftritten.

Bei der Suche nach einer “Transparenz-Sparte” auf FAZ.net habe ich mich schwer getan. Oben rechts findet man unter “Mehr” die Kategorie “Über die F.A.Z.”. Der Punkt “Die Redaktion” bei “Über uns” zeigt einen Katalog der FAZ-Redakteure mit deren Vita und derzeitiger Position. Informationen zu Nebeneinkünften suche ich hier vergebens.

Neugierig macht mich die Kategorie “Alles über die Zeitung”. Das Durch-Scrollen des ansehnlich gestalteten PDFs erfüllt meine Träume dann leider nur teilweise. Das Ganze ähnelt eher einer Hochglanz-Werbebroschüre, die hier und da “Ungefährliches” preisgibt,  als einer ernsthaften Bestrebung, transparenter aufzutreten.

Ich erfahre etwa, dass die FAZIT-Stiftung die meisten Anteile an der FAZ besitzt und die so erwirtschafteten Einkünfte “ausschließlich für gemeinnützige Zwecke” einsetzt. Was mit dem Geld passiert, welches die restlichen Anteilseigner durch die FAZ verdienen, weiß ich nicht. Woher das Geld kommt, weiß ich ebenso wenig. Zudem ist nirgends ersichtlich, in welche Teile der Zeitung wie viel Geld investiert wird. Insgesamt lässt die Transparenz-Politik von FAZ und FAZ.net, meiner Meinung nach, zu wünschen übrig.

Der Online-Newcomer

Krautreporter wurde durch Crowdfunding finanziert.

Krautreporter ist ein von verschiedenen Journalisten initiiertes, durch Crowdfunding finanziertes Online-Magazin. Durch die reine Finanzierung über “Mitglieder-Beiträge” soll gewährleistet werden, dass die jeweiligen Redakteure neutral und unabhängig berichten können. Jegliche Interessenkonflikte, die durch bestimmte Werbepartner entstehen könnten, werden somit ausgeschlossen.

Zumindest auf mich wirkt dieses Konzept sehr überzeugend. Was darüber hinaus für Transparenz getan wird, findet sich im Bereich “Über uns”, welcher sich über das Menü oben rechts erreichen lässt. Darin finden sich unter anderem Informationen zu

  • Arbeitsgrundsätzen
  • Redaktionsregeln
  • Organisation
  • Einsatz der eingenommenen Gelder
  • Förderung
  • Nutzerdatenmessung
  • Nebeneinkünfte der Redakteure

Vor allem den letzten Punkt bewerte ich positiv, da mir dies sowohl bei ARD/ZDF, als auch bei der FAZ gefehlt hat. Meiner Meinung könnte man Krautreporter generell als Ideal in Sachen Transparenz bei Medienunternehmen ansehen. Rundum werden auf der Homepage Informationen zu Arbeitsweise, Finanzierung und Nebeneinkünften gegeben. Der Leser erfährt mit wenigen Klicks alles nötig, um die Arbeit der Redakteure bewerten zu können.

Die hier aufgeführten Beispiele sind selektiv gewählt und nicht zwangsläufig repräsentativ für die gesamte Medienlandschaft. Nichtsdestotrotz würde es mich freuen, wenn sich die etablierten “Großen” in Sachen Transparenz etwas von den “kleinen” Newcomern abschauen würden.

fph

 

Bilder:

“Erfurt”, Susanne Tofern, flickr.com;

“Frankfurter Allgemeine Zeitung”, blu-news.org, flickr.com;

“Crowdfunding”, Rocío Lara, flickr.com; Bestimmte Rechte vorbehalten

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Ein Kommentar

  • Rebecca

    Super spannendes Thema – gerade im Hinblick auf die Diskussion über den Rundfunkbeitrag. Transparenz kann hier zum ausschlaggebenden Faktor werden!

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