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Trigema: Affentheater oder Arbeitsplatzsicherung?

25 Mrz 2012

Der mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte gestylte Schimpanse, der kurz vor der Tagesschau Millionen deutsche Bundesbürger anspricht, gehört zur Bekleidungsfirma Trigema wie der alleinige Inhaber Wolfgang Grupp. Der tierische Nachrichtensprecher verliest die Nachricht: „Trigema produziert mit über 1.200 Mitarbeitern nur in Deutschland.“ Schnitt. Wolfgang Grupp schreitet dynamisch seine Arbeitsstätte ab und äfft nach: „Wir werden auch in Zukunft nur in Deutschland produzieren und unsere 1.200 Arbeitsplätze sichern.“

Inhaber sucht Medienpräsenz
Affentheater? Oder nachhaltige Unternehmenstransparenz? Ohne Frage: Trigema, Deutschlands größter T-Shirt und Tennisbekleidungs-Hersteller, ist in aller Munde! Weniger wegen des Trigema-Schimpansen als wegen Wolfgang Grupp selbst. Der Wortbeflissene, 2005 mit dem Cicero-Rednerpreis in der Kategorie Wirtschaft geehrt, eilt von Talkshow zu Talkshow, von Harald Schmidt zu Sabine Maischberger, von Sabine Christiansen zu Anne Will. Die erzielte Öffentlichwirksamkeit: „Wolfgang Grupp redet Klartext – ein Unternehmer nach meinem Geschmack.“

Da spricht einer Klartext
Sein Klartext ist einfach gestrickt: „Keine Produktion in Billiglohnländern … Wir produzieren nur in Deutschland … Ich erhalte 1.200 Arbeitsplätze … Ich will persönlich haften …“. Wolfgang Grupp bewegt sich mit Trigema in einem schwierigen Markt. Während andere große Textilhersteller längst in Billiglohnländer abgerückt sind und damit abertausende von Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut haben, steht der Mann aus dem schwäbischen Burladingen nach wie vor mit beiden Beinen in Deutschland und hat seine Mitarbeiterzahl sogar auf 1.200 erhöht.

Traditionelle Werte zählen
Die Sicherung von Arbeitsplätzen hat er sich zum obersten Ziel seiner Firmenphilosophie gemacht und realisiert in der Tat das, was die Politik fordert und selbstredend Teil gesellschaftlicher Verantwortung deutscher Unternehmen sein sollte. In den vergangenen 35 Jahren hat es bei Trigema weder Kurzarbeit noch betriebsbedingte Kündigungen gegeben. Keine Kür, sondern eine Pflichtübung für den promovierten Wirtschaftswissenschaftler. So wie jeder Arbeiter ein Arbeitssoll zu erfüllen hat, hat für Wolfgang Grupp auch jedes Firmenmanagement ein nachhaltiges Leistungssoll zu erfüllen, das sich weniger an Macht, Marktanteilen und Größe, sondern vielmehr an Solidität, Verantwortung für die Mitmenschen und eigenen Mitarbeiter, Gerechtigkeit sowie Beständigkeit orientieren soll.

Wort und Tat stimmen überein
In einem Hochlohnland wie Deutschland übertarifliche Gehälter zu bezahlen, sogar Kindern der Mitarbeiter Ausbildungsplätze zu garantieren sowie den Produktionsstandort Deutschland langfristig zu erhalten, zeugt von Größe. Zumal Grupp diese Standards öffentlich einfordert. Durch seine zahlreichen medialen Auftritte macht er sich damit auch angreifbar. Aber seine Unternehmensstrategie, auch wenn sie bei dem einen oder anderen als hemdsärmelig abgetan wird, transportiert er wie kaum ein anderer Unternehmer in die Öffentlichkeit. Gerade dieses Standing ist eine Art von Unternehmenstransparenz, die in der Öffentlichkeit Anklang findet. Konträr zum Brechtschen Motto „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“.

Transparenz auf vielen Ebenen

So verschmelzen bei Trigema Ökonomik, Ökologie und Ethik. Produziert wird nach den Richtlinien des Öko-Tex Standards 100, der benötigte Strom für die Produktionsprozesse wird umweltschonend selbst erzeugt, es werden nur Garne aus Deutschland oder der EU verwendet, der Code of Conduct sorgt für eine freiwillige Selbstkontrolle. Trigema erreicht eine Fertigungstiefe, die bei einer Wertschöpfung von 80 Prozent liegt. Und das Unternehmen präsentiert sich als gläserne Fabrik. Besucher herzlich willkommen!

Kein Affentheater, sondern Erfolgsformel
All dies laut zu sagen, ob als dynamischer Firmeninhaber oder als Schimpanse, ist kein Affentheater, sondern nachprüfbare transparente Unternehmensführung, die die Öffentlichkeit anspricht und so auch Vertrauen für die produzierten Güter schafft. Silvina Molkenthin

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