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WikiRate schafft unternehmerische Transparenz

27 Jun 2015

WikiRate ist ein seit 2013 für drei Jahre von der Europäischen Kommission finanziertes Projekt. Es hat sich zum Ziel gesetzt, der „Go-to“ Platz für wichtige Informationen über das unternehmerische Handeln von großen Firmen zu werden. Vergleichbar mit Wikipedia, aber datenfokussierter. Die Stakeholder der einzelnen Unternehmen sollen besser über deren soziale und ökologische Performance informiert werden. Gleichzeitig werden Unternehmen dazu aufgefordert, nachhaltiger und verantwortungsbewusster zu handeln.

Beispiel Hennes & Mauritz

Denkt man an das schwedische Textilhandelsunternehmen Hennes & Mauritz, haben die meisten Menschen sehr günstige Kleidung im Kopf. Diese Tatsache wird oftmals mit niederen Arbeitsbedingungen und Ausbeutung der Arbeitnehmer verbunden. Doch Aussagen auf WikiRate zeigen eine andere Facette.

 „H&M ist eines der wenigen Unternehmen, die an einer Konferenz zum Thema Mindestlohn in Kambodscha teilgenommen haben“.

 „Der CEO von H&M trifft sich mit der Regierung von Bangladesch, um verbesserte Regulationen bezüglich der Arbeitsbedingungen zu befürworten.“

Solche Informationen und 947 weitere Beiträge über H&M stellt das gemeinnützige Projekt WikiRate online zur Verfügung. Konsumenten sollen sich eine Meinung bilden können, um ethisch und moralisch entscheiden zu können, wessen Produkte sie zukünftig erwerben wollen – oder eben nicht.

WikiRate befindet sich momentan noch in der Beta-Phase 1.0. Während es zum schwedischen Modekonzern fast 1.000 Einträge gibt, findet man zum deutschen Handelsunternehmen dm Drogeriemarkt bisher keinen Eintrag. Dies könnte an der Tatsache liegen, dass dm zu den Transparenz-Vorbildern gehört und es seitens der Stakeholder bisher nichts zu bemängeln gab. Oder es liegt daran, dass der Plattform bisher noch die kritische Masse an Mitstreitern in Deutschland fehlt.

  Wie schafft WikiRate diese Transparenz über Unternehmen?

WikiRate

Als registriertes Mitglied dieser Community (kostenlos und mit wenigen Klicks machbar) besteht die Möglichkeit, Informationen über bestimmte Unternehmen online verfügbar zu machen, um für den Kunden mehr als nur die Spitze des Eisberges sichtbar zu machen. Informationen können persönliche Beobachtungen von Kunden sowie Informationen aus Zeitungsartikeln oder Videos sein. Thematisiert werden darf alles, von aktuellen Mitarbeiterzahlen bis zu Arbeitsbedingungen und Informationen zum Umweltschutz.

Im ersten Schritt wird der gefundene Artikel in einer Behauptung (Claim) zusammengefasst. Diese Behauptung muss immer mit der jeweiligen Quelle belegt werden. Auch andere Personen können Behauptungen hinzufügen, sodass insgesamt vielfältige Profile  zu bestimmten Facetten eines Unternehmens entstehen. Wie bei Wikipedia besitzt jeder die Erlaubnis, Informationen hinzuzufügen, zu ändern oder zu reklamieren.

WikiRate reguliert sich, ähnlich wie Wikipedia, durch seine Nutzer. Die Kontrollfunktion wird zusätzlich dadurch gewährleistet, dass Inhalte bewertet werden können und durch das Hoch- und Runterranken an Wichtigkeit gewinnen oder verlieren. So verschwinden unwahre Informationen auf Dauer von der Bildfläche oder bekommen eine schlechte Bewertung. Philipp Hirche, Gründer von WikiRate betont, dass das Projekt sich nicht zum Ziel gesetzt hat, Unternehmen schlecht zu reden, sondern Stakeholder motivieren möchte, Unternehmen zu helfen, verantwortungsvoller zu handeln.

WikiRate als wachsender Transparenz-Treiber

WikiRate schafft unternehmerische TransparenzSeit Anfang des Monats sind auch Features des Rate-Bereichs auf der Plattform zu finden, wie die Möglichkeit, Statistiken (Metrics) zu bestimmten Themen hochzuladen und zu bewerten. Zukünftig soll den Nutzern ermöglicht werden, verschiedene Statistiken zu einem großen Ranking zusammenzufassen. Dieses Ziel ist vergleichbar mit der Vorgehensweise der wegreen Nachhaltigkeitsampel. Hier werden zur Bewertung eines Produktes externe Produktbewertungen, Nachhaltigkeitssiegel und weitere Produkteigenschaften zu einer Produktnote zusammengefasst.

Bei WikiRate ist sowas noch Zukunftsmusik. Aber die Planungen dafür laufen schon. In der Version WikiRate 2.0 sollen Unternehmen nicht nur individuell bewertet, sondern als Teile in einem großen Netzwerk betrachtet werden. Eins der weiteren Ziele von WikiRate ist, die Supply Chain Prozesse der Unternehmen und Zulieferer stärker unter die Lupe zu nehmen.

Auch bei WikiRate sollen Unternehmen zukünftig eine Note bekommen, sodass auch die soziale und ökologische Performance des jeweiligen Unternehmens erkennbar wird. Darüber hinaus soll die Plattform internationaler werden, sodass Menschen unterschiedlicher Sprachen profitieren können.

Die Vision aller Mitarbeiter von The Wikirate Project e.V. ist, dass sich die Plattform in den kommenden zwei Jahren dynamisch weiter entwickelt. So dass die wachsende Zahl aktiver Mitglieder derart umfangreiche Informationen verfügbar machen, dass jeder Mensch begründet entscheiden kann, bei welchem Anbieter er beispielsweise seinen Strom bezieht, da er über das unternehmerische Handeln dieses Unternehmens ausreichend informiert ist.

WikiRate sucht Studenten für das Transparenzprojekt

 Auf dem Weg dahin sollen unabhängige Studenten-Initiativen noch mehr Informationen sammeln. The WikiRate Project e.V. unterstützt diese Initiativen namens WikiRate X finanziell und bei den ersten Schritten. Die Studenten entscheiden sich für ein bestimmtes Thema, welches im folgenden Semester behandelt wird. Ziel soll es sein, Unternehmen, Aktivisten, Journalisten oder Politiker zum jeweiligen Themenschwerpunkt zu befragen und das Wissen anschließend auf der Plattform WikiRate.org zu teilen. Es werden Events organisiert, wie beispielsweise Panel-Diskussionen mit den befragten Aktivisten oder Unternehmen, um den im Semester geführten Dialog aufleben zu lassen und zu vertiefen. Ferner werden Unternehmen besucht, um einen Diskurs bezüglich ihres CSR-Reports zu führen.

Viele Unternehmen haben ein zunehmendes Interesse an einem grünen Image und die Motivation, ihr Bild in der Bevölkerung zu perfektionieren. Dazu bietet WikiRate eine spannende Plattform. Carolin Seelow

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