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YouTuber als Transparenz(ver-)treiber?!

15 Jul 2015

Kommerzorientierung, Unterstützung von Schleichwerbung und skrupellose Ruhmsucht – große YouTuber wie Y-Titty, LeFloid oder die Beauty-Youtuberin Daaruum stehen in der Kritik. Alle drei Kanäle verzeichnen bis zu 3 Millionen Abonnenten und zählen zu den größten und erfolgreichsten in Deutschland. Mit Klickzahlen von über einer Million haben ihre Videos eine Reichweite, die bekannte Fernsehshows weit übertrifft. Logisch also, dass YouTube-Inhalte auch für die Werbeindustrie immer attraktiver und relevanter werden. Doch welche Rolle spielen YouTuber dabei genau und was wird Ihnen vorgeworfen?

YouTube

Wie YouTuber Geld verdienen

YouTuber sprechen mit ihren Inhalten ein sehr spezifisches, junges Publikum an, so dass sie Werbetreibenden ermöglichen, deren Zielgruppe ohne große Streuverluste und vor allem im Kanal ihrer Wahl zu erreichen – außerhalb der klassischen Medien.

Die beiden gängigsten Möglichkeiten dazu sind, Werbung vor dem Video zu schalten oder mit dem YouTuber eine Kooperation einzugehen. Der YouTuber wird dann an den Werbeeinnahmen beteiligt oder für die Kooperation bezahlt. Wenn YouTuber mit Unternehmen kooperieren, handelt es sich häufig um Produktplatzierungen, also die Einbindung von bestimmten Produkten in redaktionelle Inhalte.

Vorwürfe an YouTuber

ungeGenau bei diesen Kooperationen fängt die Kritik an: Y-Titty beispielsweise wird vorgeworfen, Produkte von Coca-Cola, Samsung und McDonalds in ihre Videos eingebunden zu haben und von den entsprechenden Unternehmen bezahlt worden zu sein, ohne die Produktplatzierung zu kennzeichnen. Immer mehr Fans von YouTubern finden sowas gar nicht komisch. Sie wollen ihren Stars vertrauen, und nicht heimlich verführt werden für gesponserte Produkte.

Die Landesmedienanstalten sehen dies schlicht als illegale Schleichwerbung an. Das Problem: Durch die Nähe zum Zuschauer und die Authentizität der Protagonisten als „Stars zum Anfassen“, die ihre persönlichen Lieblingsprodukte in die Kamera halten, ist es für sie schwierig, ein Product Placement überhaupt zu erkennen.

Schleichwerbung, Mediakraft und Co.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde die Diskussion um Schleichwerbung auf Youtube durch Medienberichte über das Netzwerk Mediakraft bekannt, ein Dienstleistungsunternehmen, das Youtuber vermarktet und in technischen sowie organisatorischen Belangen unterstützt. Das Unternehmen hat derzeit über 2.500 Youtuber unter Vertrag, unter anderem die Gruppe Y-Titty und bis vor kurzem auch Daaruum und LeFloid. Vor allem im Bezug auf die Kennzeichnung von Produktplatzierungen ist Mediakraft ins Zentrum der Kritik geraten. Eine anonyme Youtuberin, die mit Mediakraft zusammen gearbeitet hat, sagte in einem Beitrag von Report Mainz, dass „Werbung bei Mediakraft klar als eigene Meinung ausgegeben werden soll“ und belegt ihre Aussagen mit Verträgen und Emails.

Doch auch unabhängig von Mediakraft kommt es zu Transparenzproblemen bei Kooperationen von Youtubern mit Unternehmen. Da keine einheitlichen Kennzeichnungsstandards für Product Placements auf Youtube gibt, sind gesponsorte Produkte häufig nicht zu erkennen und als Schleichwerbung zu kritisieren.

Youtuber organisieren sich für transparente Regeln

Doch wie sehen Youtuber die Problematik? Sind die Vorwürfe als „geldgeile Kommerzhuren“ berichtigt oder ist die Branche sehr viel reflektierter als häufig angenommen? Tatsächlich zeichnet sich unter einigen Youtubern ein „Trend zur Transparenz“ ab. Im Oktober 2014 hat Florian Mundt alias LeFloid seinen Vertrag mit Mediakraft nicht verlängert und ist somit als einer der ersten großen Youtuber aus dem Netzwerk ausgestiegen.

Für besonders viel Aufsehen sorgte Simon Unge im Dezember 2014, als er mit einem pathetischen Video unter #freiheit bekannt macht, dass er seine beiden Kanäle nun löschen müsse, um aus seinen Verträgen bei Mediakraft heraus zu kommen.

Zuvor hatte ihm Mediakraft Privatinsolvenz prophezeit, wenn er sich auf einen Rechtsstreit mit dem Unternehmen einließe. Seit Anfang 2015 haben noch einige weitere große Youtuber das Netzwerk verlassen, unter anderem auch Nilam M. Farooq alias Daaruum. Zu den Gründen hat sie sich bislang nicht geäußert.

Youtuber wollen transparenter werden: Der Verein 301+

Nilam M. Farooq und einige wmeimbergeitere Youtuber haben schließlich den Verein 301+ gegründet. Neben gemeinsamen Projekten und gegenseitiger Unterstützung ist Transparenz ein wichtiges Thema für die Mitglieder. „Das Schlimmste, was wir tun können, ist, nicht transparent zu kommunizieren, wenn wir etwas mit Marken machen“, sagt Marie Meimberg, Youtuberin und erste Vorsitzende des Vereins 301+ auf der republica 2015.

Deshalb setzt sie sich dafür ein, einheitliche Richtlinien für die Kennzeichnung von Kooperationen zu entwickeln, um diese transparenter zu machen und dem negativen Image der Zusammenarbeit von Youtubern mit Unternehmen entgegen zu wirken. Katharina Boigenreif

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5 Kommentare

  • Franz

    Interessanter Beitrag. Ich selbst schaue regelmäßig LeFloid zu und mir sind unmarkierte Produktwerbungen noch nie aufgefallen. Natürlich, er bewirbt die von ihm selbst designte Produkte wie Caps und Hoodies, aber wer will ihm das krummnehmen?

  • Rebecca

    Auf jeden Fall ein spannendes Thema. In letzter Zeit fällt mir immer mehr das negative Image von deutschen YouTubern auf, viele werden in der Öffentlichkeit geradezu zerissen. Natürlich ist illegale Schleichwerbung nicht okay, genauso sollte keine Uhr für 300 Euro vorgestellt werden, mit dem Hinweis “Wer sie kaufen will – der Link ist in der Infobox!”, aber ich kann nicht nachvollziehen, woher dieser übertriebene Hass kommt. Die meisten YouTuber sind doch abgesehen davon wirklich ganz okay, mir wäre es lieber, meine 12-Jährige Tochter nimmt sich so jemanden als Vorbild, als zum Beispiel Miley Cyrus oder Justin Bieber..

  • Vanessa

    Guter Artikel und tolles Thema! Mir ist es auch schon öfters aufgefallen, dass der Fokus immer öfter auf bestimmte Produkte gelegt wird.

  • Anna

    Ich fand LeFloid auch immer sehr cool, und was Schleichwerbung angeht… Lieber mal ne Cocaflasche im Bild als Tylor Durden Style
    :-D

  • Hendrikje

    Schade, dass sich besonders die jungen Fans von Youtube-Größen nicht über deren Schleichwerbung bewusst sind. Das Thema sollte viel mehr öffentlich angegangen und transparenter dargestellt werden. Junge Fans glauben irrtümlicherweise, sie bekommen ein Lieblingsprodukt von Youtubern gezeigt. Oftmals bekommen diese jedoch den Auftrag dies zu bewerben, was den Jugendlichen nicht klar ist. Deshalb finde ich diesen Artikel toll, weil er einen Einblick in dieses undurchsichtige Thema gibt.

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